Ärzte Zeitung online, 17.07.2017
 

Klinikneubau in Flensburg

Ärzte kippen Stimmung vor Ort

Viel Geld in die Modernisierung zweier alter Häuser stecken oder eine neue Zentralklinik bauen? Durch das Votum von Ärzten deutet sich jetzt ein Stimmungsumschwung in der Stadt an.

Von Dirk Schnack

Klinikneubau in Flensburg: Ärzte kippen Stimmung vor Ort

© Zsolt Bicz - stock.adobe.com

FLENSBURG. Ärzte in Flensburg haben ein Umdenken in der Klinikplanung bewirkt. Statt die beiden bestehenden Krankenhäuser zu modernisieren, wird nun nach einem Standort für ein Zentralklinikum an der Grenze zu Dänemark gesucht.

Noch ist die Entscheidung für ein Zentralklinikum nicht gefallen. Offen sind derzeit der Standort in der Stadt, die Finanzierung und die Frage, wie die beiden Träger der derzeitigen Krankenhäuser unter einem Dach kooperieren.

Fest steht aber, dass es in der Stadt einen Stimmungsumschwung pro Zentralklinik gegeben hat, den Ärzte mit ihren Bedenken gegen eine Modernisierung des Malteser St. Franziskus Hospitals und des Diakonissenkrankenhauses bewirkt haben. In einer öffentlichen Versammlung hatten sie auf die Konsequenzen für die Patientenversorgung hingewiesen, wenn weiterhin an zwei benachbarten Standorten Klinikleistungen erbracht werden.

Koexistenz ohne Konkurrenz

Zur Vorgeschichte: Die traditionsreichen Flensburger Häuser haben beide ihren Standort mitten in der Stadt und waren bis vor wenigen Jahren Konkurrenten. In einer bundessweit beachteten Kooperation verständigten sich die evangelische Diako und das katholische Malteser dann auf das jeweilige Leistungsangebot, sodass es seitdem keine Konkurrenz mehr gibt. Die beiden benachbarten Standorte aber blieben – mit entsprechend langen Wegen für die Patienten, die Leistungen in beiden Kliniken benötigen.

Rund 5000 Mal müssen Patienten jährlich zwischen den beiden Standorten transportiert werden. Dr. Ulrich Schroeder, früher ärztlicher Direktor in der Diako, und weitere Ärzte aus der Stadt verwiesen in einer öffentlichen Versammlung im Rathaus auf diesen "Konstruktionsfehler".

Schroeder: "Bis heute leiden Patienten und Pflegekräfte unter den ständigen Transporten zwischen den Krankenhäusern – ganz zu schweigen von den Kosten." Unterstützung bekommen die Ärzte, die sich anschließend auch im Kreisausschuss, Ärzteverein und Kreisstelle für einen Zentralbau aussprachen, von der Ärztekammer Schleswig-Holstein.

Kammerchef ist für den Neubau

Kammerpräsident Dr. Franz Bartmann, der selbst in beiden Flensburger Häusern beschäftigt war, stellte klar: "Derzeit erhalten die Flensburger Patienten nur die zweitbeste Lösung in der Versorgung. Ein Neubau wäre die einzig vernünftige Variante. Deshalb würde die Ärztekammer es begrüßen, wenn man dem Votum der Flensburger Ärzte folgt."

Beide Krankenhäuser müssen modernisiert werden. Die alte Landesregierung hatte dafür zusammen 194 Millionen Euro für die kommenden Jahre in Aussicht gestellt und die ersten Förderbescheide noch vor der Landtagswahl überreicht.

Nun muss geklärt werden, ob diese Mittel auch für einen neuen, gemeinsamen Standort eingesetzt werden können und ob eine Aufstockung möglich ist. Denn nach ersten Schätzungen wird ein zentraler Neubau teurer als die Modernisierung der alten Standorte, die Rede ist von 230 Millionen Euro. Erste Termine zur Finanzierungsfrage laufen derzeit im Ministerium.

Für die Träger ist klar, dass sie die Zusatzkosten nicht stemmen könnten. "Wir als Träger haben nicht das Vermögen, um den zusätzlichen Bedarf aus Eigenmitteln zu decken", sagte Malteser-Geschäftsführer Klaus Deitmaring.

Beide Träger zeigten sich im Hinblick auf den Neubau aber "ergebnisoffen". Dass für das Arbeiten unter einem Dach noch enger kooperiert werden müsste, sieht er nicht als Problem.

Wichtig ist für ihn, dass beide Träger souverän bleiben und nicht aus der Flensburger Kliniklandschaft verschwinden. Wo ein Flensburger Zentralklinikum gebaut werden könnte, prüft die Stadt derzeit. Von ursprünglich 13 hat man noch sechs Standorte in der engeren Auswahl. Viel Zeit für eine Entscheidung bleibt nicht, weil die Fördermittel an Fristen gebunden sind.

5000 Mal müssen Patienten pro Jahr zwischen den beiden Krankenhausstandorten hin und her transportiert werden.

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