Ärzte Zeitung, 15.08.2017

Tod durch Dieselmanipulation

Umwelthilfe erhebt schwere Vorwürfe

Die Dieselmanipulationen der Autokonzerne könnten für vorzeitige Todesfälle verantwortlich sein, meldet die Deutsche Umwelthilfe.

Von Anno Fricke

Umwelthilfe erhebt schwere Vorwürfe

Im Moment noch Fake: So stellt sich DUH-Chef Jürgen Resch (rechts) ein Verbotsschild für Dieselfahrzeuge vor. © Anno Fricke

BERLIN. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erhebt schwere Vorwürfe gegen Automobilindustrie und Regierung. Am "Dieselabgasgift" Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub aus dem Auspuff "sterben in Deutschland jedes Jahr 10.600 Menschen vorzeitig", sagte Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der DUH, am Dienstag in Berlin. Resch zitierte mit dieser Zahl die Europäische Umweltagentur.

Noch gravierender sei, dass jedes Jahr Hunderttausende Menschen an den Folgen des Abgasbetrugs erkrankten. Vor allem Kinder, alte Menschen und Asthmatiker müssten vor allem in den Wintermonaten unter den bewusst herbeigeführten Überschreitungen der 2010 eingeführten Grenzwerte für Dieselmotoren leiden.

Die Abreden zwischen der Automobilindustrie und der Regierung beim "Diesel-Gipfel" bezeichnete Resch als "konspirativ". "Es ging nicht um die Gesundheit der Bürger", sagte Resch. Es werde auch mit den verabredeten Software-Updates keine Luftverbesserungen im bevorstehenden Winterhalbjahr geben. Eine der Kernforderungen der DUH ist daher eine verpflichtende Nachrüstung aller Fahrzeuge nach den Diesel-Standards 5 und 6 mit einer Harnstoff-betriebenen Abgasreinigungsanlage. Zudem sollten die Autokonzerne verbindlich zusagen, ab 2018 nur noch Diesel-Neuwagen zu verkaufen, die den vorgeschriebenen Grenzwert für Stickoxide von 80 mg/km einhalten und zwar bis zu Temperaturen von minus 15 Grad Celsius.

Risiken für die Lunge

Umweltfaktoren gelten als Risikofaktoren für die Lunge. Nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern des GSF-Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten hoher Feinstaubkonzentrationen und einem Anstieg der Morbidität und Mortalität in der näheren Umgebung nachweisen. Die Aphea-Studie (Air Pollution and Health: a European Approach) kommt zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen COPD vom Grad der akuten Luftverschmutzung abhänge. Wissenschaftlich umstritten ist aber, ob die Verschmutzung der Außenluft Lungenkrankheiten verursacht oder lediglich bereits vorhandene Krankheiten verstärkt.

Die neue Software schützt die Besitzer von Dieselfahrzeugen möglicherweise nicht vor Fahrverboten in Innenstädten. Die DUH hat in 16 Städten gegen die Überschreitung der Grenzwerte geklagt. Für die Verwaltungsgerichte und damit auch für das Bundesverwaltungsgericht stehe fest, dass die Software das Ziel verfehle, den Ausstoß der umstrittenen Schadstoffe zu verringern. Es gebe eine von den Gerichten festgestellte Gesundheitsgefährdung, sagte Professor Remo Klinger. Der Anwalt und Verwaltungsrechtler vertritt die DUH. Fahrverbote seien rechtlich zulässig.

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