Ärzte Zeitung online, 06.09.2017
 

Herz-Kreislauf-Reanimation

In Regensburg steht Leben retten auf dem Lehrplan

Im Landkreis Regensburg üben Schüler jedes Jahr die Herz-Kreislauf-Wiederbelebung. Möglich machen das vor allem ehrenamtlich tätige Ärzte und Rettungskräfte.

Von Christina Bauer

Leben retten auf dem Lehrplan: Regensburg geht neue Wege

Schüler üben beim Pilotprojekt „Herzhelfer-Kinder“ am Deutschen Herzzentrum in Berlin an einer Puppe.

© picture alliance / dpa

REGENSBURG. Deutsch, Mathe, Leben retten – ein Pilotprojekt bringt Wiederbelebung an die Schulen. Die Herz-Kreislauf-Reanimation wird ab dem neuen Schuljahr überall im Landkreis Regensburg regelmäßig trainiert. Für das Projekt kooperieren das Rettungszentrum Regensburg, das dortige Universitätsklinikum (UKR), die Stadt und der Landkreis.

"Mit dem Projekt ‚Schüler retten Leben‘ sollen Berührungsängste abgebaut und Wissenslücken gefüllt werden, um die Unsicherheit im Umgang mit der Herz-Kreislauf-Wiederbelebung zu nehmen", sagte Professor Bernhard Graf bei einer Pressekonferenz in Regensburg. Graf ist Vorsitzender des Rettungszentrums und leitet am Uniklinikum die Klinik für Anästhesiologie.

Damit Laienhilfe alltäglicher wird, sollen die Schüler ab der siebten Klasse souveräne Ersthelfer werden. Insbesondere sollen sie sich trauen, bei einem plötzlichen Herzstillstand eine Herz-Kreislauf-Wiederbelebung durchzuführen. Studienergebnissen zufolge können sie das ab diesem Alter problemlos lernen.

Ehrenamtliche Schulung von Lehrern

Oft trauen sie sich an die ungewohnte Herausforderung sogar leichter heran als Erwachsene. Mit dem neuen Schuljahr üben sie und die älteren Jahrgangsstufen mindestens einmal im Jahr. An jeder Schule sollen für diese Unterrichtseinheiten mindestens zwei Lehrer zuständig sein.

Sie selbst werden von Anästhesisten des UKR und Rettungskräften ehrenamtlich geschult. Für die etwa 190.000 Einwohner im Landkreis dürfte das gut sein. Studien lassen erkennen, dass in Deutschland zu wenig wiederbelebt wird.

Da die Rettungskräfte im Notfall erst nach acht bis zwölf Minuten vor Ort sein können, haben Laienhelfer zur Überbrückung eine wichtige Funktion. Immerhin erwischt ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand bundesweit jedes Jahr etwa 80.000 Menschen.

Studien zufolge sind in fast zwei von drei Fällen (60 Prozent) noch andere Menschen vor Ort. Aber von ihnen beginnt nur einer von vier eine Herz-Kreislauf-Wiederbelebung. Die meisten warten ab, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Empfehlung der Kultusministerkonferenz gefolgt

In anderen Ländern ist die Wiederbelebung wesentlich weiter verbreitet. Untersuchungen zufolge überleben dadurch mehr Notfallpatienten, und sie erleiden weniger neurologische Schäden. Experten betonen, bei einer Herz-Kreislauf-Wiederbelebung könnten auch Laien nichts falsch machen. Am schlechtesten sei es, gar nichts zu tun.

Mit ihrem Projekt entsprechen die Regensburger Initiatoren nicht zuletzt einer Empfehlung der Kultusministerkonferenz von 2014. Für die Umsetzung wird nun noch eine erhebliche Zahl an Trainingspuppen benötigt. Das Rettungszentrum ruft dafür zu Spenden auf.

Graf denkt derweil schon längst über den Landkreis hinaus. "Mein persönlicher Wunsch ist es, dass der Reanimationsunterricht Pflichtfach in allen Schulen Bayerns wird."

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