Ärzte Zeitung online, 11.12.2017

Altersstudie

Die Lebensfreude der munteren Alten

Studien über die Zufriedenheit Hochbetagter gibt es kaum. Nun eröffnet die Altersforschung neue Einblicke.

NÜRNBERG. Nicht unbedingt gesund, aber dafür munter – so fühlen sich viele Menschen über 90 Jahre, die ein noch weitgehend selbstbestimmtes Leben führen. Einer aktuellen Studie zufolge sind sie häufig sogar glücklicher als 70-Jährige. Eine positive Lebenseinstellung, enge soziale Beziehungen und tägliche Bewegung seien die wichtigsten Zutaten für Zufriedenheit im Alter, berichten die Altersforscher der Universität Erlangen-Nürnberg. Selbst Krankheiten trübten das Wohlbefinden dann wenig.

Den Angaben der Wissenschaftler zufolge sind deutschlandweit etwa 718.000 Frauen und Männer 90 Jahre oder älter. In Bayern sind es etwa 107.000. Zwei Drittel von ihnen lebten zu Hause, nur ein Drittel in betreuten Einrichtungen. Das Team um Frieder Lang befragte für seine Untersuchung "Leben in der zehnten Dekade" 125 Männer und Frauen aus Nürnberg, die 90 Jahre oder älter sind und noch in den eigenen vier Wänden leben. Sie absolvierten auch einfache körperliche und kognitive Tests.

Im Schnitt nahmen die Teilnehmer sechs verschiedene Medikamente ein. "Zwei Drittel von ihnen haben mehr als fünf Diagnosen", sagt Lang – meist handelt es sich um Herz-Kreislauf-, Krebs- oder Atemwegserkrankungen oder Bewegungseinschränkungen.

Trotz ihrer Erkrankungen fühlten sich die Probanden überraschend gesund, zeigte die Befragung: Obwohl sie häufiger gesundheitliche Beschwerden haben als Jüngere, sind sie überdurchschnittlich lebensfroh und optimistisch, sagt Lang. "Sie zeigen ganz besondere Kräfte und Stärken. Deswegen haben wir sie "muntere 90-Jährige" genannt: sie sind nicht gesund, aber munter."Die Studienteilnehmer waren im Schnitt 92 Jahre alt, fühlten sich im Schnitt aber nur wie 72, so Lang. Etwa die Hälfte der Über-90-Jährigen antwortete auf die Frage "Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben?": "Völlig". Bei Menschen zwischen 70 und 90 Jahren sagten das nur halb so viele. Und die meisten Alten wollen sogar noch älter werden: Drei Viertel sagten, wenn es ihnen weiter so gehe wie bisher, würden sie gerne noch weitere drei bis fünf Jahre leben. Zum Vergleich zogen die Forscher Daten aus dem Alterssurvey des Deutschen Zentrums für Altersfragen, dem sozioökonomischen Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Generali Altersstudie heran. Meist gebe es jedoch nur Daten über jüngere Altersgruppen. Zu Menschen über 90, die nicht akut medizinisch behandelt werden, gebe es bislang keine Vergleichsdaten.

Was die munteren Alten eint: Fast 80 Prozent von ihnen gehen jeden Tag mindestens 30 Minuten einer körperlichen Aktivität nach. Und 90 Prozent nennen einen Menschen, der ihnen wichtig ist und mit dem sie eine enge Beziehung haben. Außerdem achten sie auf eine ausgewogene Ernährung, genug Flüssigkeit – und bei Alkohol und Zigaretten auf den Grundsatz: Alles nur in Maßen. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Intensives Ausdauertraining bremst frühen Parkinson

Sport lohnt sich: Kommen Parkinsonkranke im frühen Stadium regelmäßig ins Schwitzen, bleiben ihre motorischen Fähigkeiten über mindestens ein halbes Jahr hinweg stabil. mehr »

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wo Patienten ihren Klinikaufenthalt am besten bewerten. Dabei fanden die Analysten interessante Zusammenhänge heraus. mehr »

Krebsüberlebende nach Infarkt oft untertherapiert

Patienten mit Herzinfarkt, die eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese stehen haben, erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie. Das wirkt sich auch auf die Mortalität aus. mehr »