Ärzte Zeitung online, 12.07.2018

Integrierte Versorgung

Kinzigtal-Macher starten Projekt in Nordhessen

Die Integrierte Komplettversorgung "Gesundes Kinzigtal" bekommt einen Nachahmer im hessischen Werra-Meißner-Kreis – dort allerdings zunächst nur mit einer Teil-Budgetverantwortung.

Von Rebekka Höhl

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Idyllisches Werra-Meißner-Tal: Damit das auch in Sachen ambulante Versorgung so bleibt, soll nun ein IV-Projekt helfen.

© Werner Otto / Alamy / mauritius images

HAMBURG/ESCHWEGE. Mit dem nordhessischen Werra-Meißner-Kreis folgt nun schon die dritte Kopie des Erfolgsprojekts "Gesundes Kinzigtal". Wie die OptiMedis AG, die Gesellschafter des "Gesunden Kinzigtals" und Treiber für die Nachahmerprojekte ist, mitteilt, konnte sie die BKK Werra-Meißner für die integrierte Versorgung (IV) der über 100.000-Einwohner starken Region gewinnen.

Dabei soll – wie bereits im Kinzigtal erprobt – gemeinsam mit dem Landkreis, niedergelassenen Ärzten und den beiden Ärztenetzen vor Ort sowie mit sozialen Einrichtungen ein Gesundheitsnetzwerk aufgebaut werden.

Die bessere Verzahnung von Leistungserbringern soll nicht nur die gesundheitliche Versorgung optimieren, sie soll die Versorgung auch wirtschaftlicher machen. Im Kinzigtal, das 2006 startete, zeigte sich immerhin schon drei Jahre später, dass die Kosten des Vertragspartners AOK im IV-Versorgungsbereich um 3,3 Prozent besser waren als im bundesdeutschen Schnitt.

Prävention im Fokus

Um einen ähnlichen Effekt zu erzielen, soll vor allem auf Prävention gesetzt werden. Auch hier steht das "Gesunde Kinzigtal" mit seinen diversen Programmen – wie etwa für ein starkes Herz oder zur Frühintervention bei Osteoporose – Pate.

"Wir wollen nicht nur auf vorhandene Erkrankungen reagieren, sondern aktiv dazu beitragen, dass Gesundheit entsteht. Dementsprechend investieren wir viel in Prävention, Gesundheitsförderung, Aktivierung der Patienten und gezieltes Versorgungsmanagement, insbesondere bei chronisch Kranken", sagt Dr. Helmut Hildebrandt, Vorstand der OptiMedis AG. Allerdings gibt es im Werra-Meißner-Kreis zum Start noch keinen Vollversorgungsvertrag, sondern gemäß Paragraf 140a SGB V zunächst nur eine Teilbudgetverantwortung.

Geplant ist, dass sich die BKK-Versicherten, die immerhin ein Viertel der gesetzlich Krankenversicherten in der Region ausmachen, ab Anfang 2019 einschreiben und die Angebote des Netzwerks aktiv nutzen können.

Vernetzung der Ärzte soll elektronisch erfolgen

Wie es von der OptiMedis AG auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung" heißt, ist durchaus vorgesehen, die teilnehmenden Ärzte elektronisch zu vernetzen. Im Kinzigtal gibt es bereits eine gemeinschaftliche elektronische Patientenakte. In Nordhessen müssten dazu aber noch die Einzelheiten geprüft werden.

Derzeit werden noch die Gespräche mit den Niedergelassenen und beiden Ärztenetzen vor Ort geführt. Allein das Ärztenetz Werra-Meißner und das Ärztebündnis Werra Meißner zählen 94 Haus- und Fachärzte. Die Ärzte vor Ort sind laut OptiMedis aufgeschlossen.

Dabei hätten die ersten Gespräche gezeigt, dass vor allem die Sicherung der ambulanten Versorgung ein großes Anliegen der Mediziner ist, da es bereits einige Praxisschließungen gegeben habe. Nicht uninteressant für die teilnehmenden Ärzte sei zudem die zusätzliche Honorierung für Beratungsangebote zugunsten der Gesunderhaltung von Patienten – auch das ist immerhin Vertragsbestandteil.

Um das Projekt zu starten ist laut OptiMedis eine Investitionssumme von vier bisfünf Millionen Euro notwendig, diese soll über Investoren, Banken, Drittmittel und Bürgschaften finanziert werden. Außerdem werde bereits versucht, weitere Krankenkassen für das Projekt zu gewinnen.

Die Nachahmer

  • Gesundheit für Billstedt/ Horn in Hamburg war das erste Projekt, das die OptiMedis AG nach dem Vorbild des "Gesunden Kinzigtals" aufgesetzt hat. Partner-Kassen sind hier die AOK Rheinland/Hamburg, die BARMER und die DAK.
  • Gesunder Landkreis Werra-Meißner befindet sich gerade zusammen mit der BKK Werra-Meißner im Aufbau
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