Ärzte Zeitung, 12.10.2011

Kommentar

Die Hände der Unschuld

Von Helmut Laschet

Der Gesetzgeber hat die frühe Nutzenbewertung für Arzneimittel so organisiert, dass sich alle Beteiligten - der Gemeinsame Bundesausschuss, sein Unterausschuss Arzneimittel und das IQWiG - die Hände in Unschuld waschen können. Warum?

Die fachliche Vorarbeit für die Nutzenbewertung leistet der GBA-Unterausschuss - nichtöffentlich, wenig transparent. Hier sitzen die Arzneispezialisten der Kassen und der Ärzte, nicht ganz frei von Eigeninteressen. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Bestimmung einer Vergleichstherapie.

Maßgeblich für den Hersteller ist aber die Entscheidung des GBA, der sich seinerseits auf die Expertise seines Unterausschusses stützt. Fachlich gibt es deshalb zwischen Hersteller und GBA nichts zu verhandeln, so dessen Vorsitzenden Dr. Rainer Hess.

Die Vergleichstherapie präformiert freilich das Bewertungsergebnis. Die wichtigste Aufgabe des IQWiG ist es, das Ausmaß des Zusatznutzens festzustellen. Auch das Institut ist kein Verhandlungspartner, sondern nur GBA-Auftragnehmer. Über die Bewertungsergebnisse lässt der GBA aber allenfalls im Hinblick auf die juristische Konsistenz mit sich reden - jedoch nicht über medizinische Inhalte.

Lesen Sie dazu auch:
AMNOG - Stoppschild für viele neue Wirkstoffe

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

In Deutschland gibt es"weder Hölle noch Paradies"

Die Lebensumstände in Deutschland sind weitgehend gleichwertig - gemessen an 53 Indikatoren, die etwa Gesundheit, Arbeit und Freizeit berücksichtigen, so der "Deutschland-Report". mehr »

Wenn Welten aufeinandertreffen

Die urologische Versorgung in Ghana findet nur sehr eingeschränkt statt. Der Verein "Die Ärzte für Afrika" unterstützt sechs Kliniken vor Ort – eine Herzensangelegenheit. mehr »

Schlaganfall im Schlaf – Wann ist Thrombolyse möglich?

Liegt der Symptombeginn bei Schlagfall einige Stunden zurück, kommt eine Thrombolyse eigentlich nicht infrage. Forschern ist es nun gelungen, Patienten für die Therapie auszuwählen, auch ohne den Zeitpunkt des Insults zu kennen. mehr »