Ärzte Zeitung, 27.09.2012

Report

Arznei-Ausgaben erstmals gesunken

Seit 2004 sind erstmals die Ausgaben für Medikamente gesunken. Möglich gemacht hat es vor allem der Herstellerrabatt, heißt es im neuen Arznei-Report. Allerdings könnte noch mehr gespart werden, meinen die Autoren.

BERLIN (sun). Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr erstmals seit 2004 weniger für Arzneimittel ausgeben müssen. Das geht aus dem Arzneiverordnungs-Report 2012 hervor, der Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass die Arzneiausgaben 2011 um 1,17 auf 30,87 Milliarden Euro gesunken seien.

Der Abwärtstrend bei den Arzneiausgaben sei im Wesentlichen auf den erhöhten Herstellerrabatt von sechs Prozent auf 16 Prozent zurückzuführen, betonte Dr. Dieter Paffrath, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest.

Dennoch könnten laut aktuellem Arzneiverordnungs-Report weitere 3,1 Milliarden Euro gespart werden, unter anderem bei Generika sowie bei Präparaten, für die es günstigere Alternativen gibt.

Sparpotenzial durch Preisverhandlungen

Vor allem müssten sich die Sparmaßnahmen des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) - insbesondere die Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband - noch komplett entfalten, so die Studienautoren.

Denn: "Die Kostenentwicklung in diesem Jahr zeigt einen anderen Trend", sagte Studienautor Professor Ulrich Schwabe vom Pharmakologischen Institut der Universität Heidelberg.

Im ersten Halbjahr 2012 seien die Arzneimittelausgaben wieder um 480 Millionen auf 15,8 Milliarden gestiegen. Davon entfielen alleine 190 Millionen (40 Prozent) auf drei neue Arzneimittel des Jahres 2011 (Gilenya®, Incivo®, Zytiga®) mit Jahrestherapiekosten von bis zu 40.000 Euro pro Patient.

Bei diesen Arzneimitteln liefen allerdings noch die Preisverhandlungen, sodass "geringere Kosten möglich sind", so Schwabe.

Das AMNOG sieht ingesamt ein Einsparpotenzial in Höhe von zwei Milliarden Euro vor: "Die werden aber nur realisiert werden können, wenn auch eine Nutzenbewertung des Bestandmarktes durchgeführt wird", so Schwabe.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) kritisierte die Methodik des Reports: Der lasse die Versorgungsqualität unter den Tisch fallen.

"Eine permanente Diskussion über das Drücken der Preise droht irgendwann zu einer Diskussion über das Drücken der Versorgungsqualität zu werden", sagte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer.

Der Verband Pro Generika warf den Studienautoren vor, mit "Phantomzahlen zu rechnen". Der Report setze "offensichtlich auf Stimmungsmache", kritisierte Verbands-Chef Bork Bretthauer.

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