Ärzte Zeitung, 27.03.2015

Arzneimittel

WHO fordert mehr Nutzenbewertungen

Hochpreisige Arzneimittel erfordern eine Priorisierung, so das WHO-Regionalbüro Europa.

KOPENHAGEN. Die steigende Zahl neuer und auch hochpreisiger Arzneimittel stellt die nationalen Regierungen vor neue Finanzierungsherausforderungen. Dies geht aus einer Studie hervor, die das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa in Kopenhagen veröffentlicht hat.

Darin wird die wachsende Bedeutung von Nutzenbewertungen auf darauf aufbauenden Erstattungsverhandlungen betont. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass nur wenige Länder in der europäischen Region über Mechanismen der Kosteneffektivität neuer Arzneimittel verfügen.

Für Versorgung und Preise neuer Medikamente würden oft Rahmenvereinbarungen zwischen Regierungen und Herstellern getroffen. Die vorangegangenen Verhandlungsprozesse seien aber meist undurchsichtig. Den Ländern wird geraten, verstärkt zusammenzuarbeiten und einen Erfahrungsaustausch zu initiieren, um mehr Transparenz zu erreichen.

In der Studie wurden 27 Länder analysiert. Gebräuchliche Instrumente der Priorisierung sind restriktive Leitlinien für die Behandlung, Zielvorgaben für den Einsatz von Generika und Beschränkungen für den Einsatz neuer Arzneimittel.

Es zeige sich, dass es für die Regierungen zunehmend schwierig sei, insbesondere hochpreisige Innovationen zu finanzieren und ein Gleichgewicht zwischen Erschwinglichkeit und Kosteneffektivität zu erhalten.

Zwar seien die Probleme in allen teilen Europas ähnlich - allerdings sei die Situation in Ländern mit mittlerem und niedrigerem Einkommen besonders problematisch, weil dort die Regulierungsmechanismen weniger entwickelt seien.

Der Bericht empfiehlt vor allem mehr Transparenz und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Regulierungsbehörden und Arzneimittelherstellern. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Versorgung chronisch Kranker sowie auf hoch spezialisierte Medikamente und seltene Krankheiten gerichtet werden. (HL)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

16:41Viele Bürger beklagen, dass Pflegeheime teuer sind, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil zu beschränken. Das entflammt eine neue Debatte über die Pflege-Finanzierung. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »