Ärzte Zeitung online, 27.04.2017
 

Genehmigung ungewiss

Cannabis-Studie hängt in der Warteschleife

Ob Cannabis-Konsum für körperlich und psychisch Gesunde gefährlich ist, möchte eine Initiative untersuchen lassen. Die Suche nach Studienteilnehmern läuft – bisher fehlt die Genehmigung des BfArM.

Von Alexander Joppich

Cannabis-Studie hängt in der Warteschleife

Cannabis-Setzlinge im Gewächshaus: Eine Initiative will in Berlin die Auswirkungen von Marihuana auf Gesunde untersuchen.

© pkripper503 / Getty Images / iStock

BERLIN. Eine Berliner Initiative will klären, wie der Konsum von Cannabis auf die Psyche von gesunden Erwachsenen wirkt. Dies will die Forschungsinitiative Cannabiskonsum in einer Großstudie beantworten. Potenzielle Studienteilnehmer können sich seit dem 6. Februar online bewerben.

Die Initiative möchte 25.000 Teilnehmer gewinnen. Bisher haben sich 2500 Menschen beworben. Die Voraussetzungen: Interessenten müssen volljährige Einwohner Berlins sein, dürfen keine Erstkonsumenten sein und keine psychischen Störungen haben. In der Studienphase dürfen Teilnehmer maximal 30 Gramm Cannabisblüten monatlich beziehen – kostenpflichtig für den Einzelnen über Apotheken. Die Studie soll über mehrere Jahre laufen, wie lange genau, ist noch offen. Mindestens einmal pro Jahr muss sich jeder Teilnehmer einer Befragung durch die Initiative stellen. Die Fragebögen können online oder postalisch an diese verschickt werden.

Forschungsleiter Professor Thomas Schnell von der privaten Hochschule Medical School Hamburg geht davon aus, dass das Projekt einen wunden Punkt trifft: Nach seinen Angaben ist die Erforschung von Cannabiskonsum bei psychisch stabilen und körperlich gesunden Erwachsenen bisher vernachlässigt worden. "Inwiefern der Cannabiskonsum bei gesunden Konsumenten wirksam wird – abgesehen von der akuten Rauschwirkung –, sollte intensiver beforscht werden", sagt der Psychologe. Die Studie behandele ausdrücklich nicht die Erforschung von Cannabis zu medizinischen Zwecken. Die Nutzung von Cannabis als Medikament hat der Bundestag kürzlich in bestimmten Fällen erlaubt.

Bereits im vergangenen Jahr hat die Forschungsinitiative eine Erlaubnis beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beantragt – und scheiterte. Sie hat Widerspruch gegen die Entscheidung des BfArM eingelegt und kürzlich einen aktualisierten Antrag eingereicht.

Der Geschäftsführer der Initiative, Marko Dörre, gibt sich vom Erfolg des Forschungsprojekts überzeugt: "Die Hürden für unsere Studie sind hoch, aber wir sind vorsichtig optimistisch, noch in diesem Jahr alle gesetzlichen Voraussetzungen zu erfüllen." Da jeder Studienteilnehmer einzeln eine Erlaubnis des BfArM benötigt, startet die Bewerbungsphase bereits jetzt.

Bewerber müssen einen Fragebogen ausfüllen. Der Auswertungsbogen fragt etwa den Gesundheitszustand ab, die Häufigkeit des bisherigen Marihuanakonsums und die Beweggründe für die Drogeneinnahme.

Studienleiter Schnell weist eine mögliche Verharmlosung des Cannabiskonsums von sich – der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn stehe im Vordergrund: "Primäres Ziel unserer Forschung ist es nicht, den legalen Konsum von Cannabis zu Genusszwecken zu protegieren". Vielmehr gehe es dem Team "um die Förderung von Abstinenzmotivation der Konsumenten". Wie dies genau funktionieren soll, ließen Schnell und Dörre auf Nachfrage allerdings offen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »