Ärzte Zeitung online, 23.11.2017
 

Lieferengpässe

Kammer Hessen fordert Impfstoffregister

Die Landesärztekammer Hessen macht sich für ein sanktionsbewehrtes Arznei- und Impfstoffregister stark. Damit wollen die Ärzte Lieferengpässe zukünftig vermeiden.

FRANKFURT/MAIN. Die Delegierten der Landesärztekammer Hessen fordern den Gesetzgeber auf, in Sachen Produktions- und Lieferengpässe bei versorgungsrelevanten Arznei- und Impfstoffen endlich tätig zu werden.

Das Bundesgesundheitsministerium und die Länderministerien sollen ein bundesweites Register zur Verfügbarkeit solcher Wirkstoffe einrichten, heißt es in der Resolution. Dieses solle für die Hersteller verpflichtend und sanktionsbewehrt sein. Geschehen soll dies über eine Änderung des Arzneimittelgesetzes.

Die Kammerdelegierten sehen Lücken in der bereits existierenden Liste nicht lieferbarer Arzneimittel, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt und im Internet veröffentlicht. Ganz einfach, weil die Liste auf Freiwilligkeit beruhe.

Sind Depots nötig?

Doch die Delegierten fordern noch mehr: Die Unternehmen sollten parallel zur unverzüglichen BfArM-Meldung Medikamentendepots aufbauen, um die Patientenversorgung zumindest mittelfristig sicherzustellen. Denn als einen der maßgeblichen Gründe für Lieferengpässe sieht die Kammer, dass die Herstellung von Basiswirkstoffen immer öfter außerhalb der EU liegt.

Ein weiteres Anliegen der Kammer ist daher, dass die Politik künftig darauf hinwirkt und die Rahmenbedingungen schafft, dass die Arznei- und lmpfstoffproduktion durch mehrere – am besten in der EU angesiedelte – Produktionsstätten "jederzeit voll umfänglich sichergestellt" ist.

"Die Versorgung der Patienten mit lebenswichtigen Medikamenten und Impfstoffen ist in einzelnen Bereichen bereits jetzt akut gefährdet!", heißt es in der Resolution. "Vor gut einem Jahr fehlte für einige Monate der Impfstoff gegen Masern/Mumps/Röteln", so die Kammer. "Hierdurch entstehen Impflücken vom Jugendalter bis ins hohe Erwachsenenalter mit allen daraus resultierenden individuellen und gesellschaftlichen Gesundheitsproblemen." (reh)

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