Ärzte Zeitung online, 17.12.2018

GSAV

Montgomery sagt Ja zum Digitalrezept

BERLIN. Bundesärztekammerpräsident Professor Frank Ulrich Montgomery hat die im Referentenentwurf zum GSAV („Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“) enthaltenen Regelungen zum digitalen Rezept begrüßt. Anlässlich der Verbändeanhörung des Gesetzentenentwurfs am heutigen Montag erklärte er, nachdem der Ärztetag den Weg für die ausschließliche Fernbehandlung geebnet habe, sei es „folgerichtig, dass jetzt auch die ärztliche Verschreibung von Arzneimitteln im Rahmen einer ausschließlichen Fernbehandlung ermöglicht“ wird.

 Montgomery sprach sich außerdem für ein Verbot des Re-Importhandels mit Arzneimitteln aus und forderte Maßnahmen, um die Patientenversorgung mit essenziellen Medikamenten besser gegen Lieferausfälle abzusichern. Beides ist nicht Bestandteil des GSAV. (cw)

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[17.12.2018, 10:51:29]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Illusionäre Verkennung?
Mit dem Statement. „Rezepte auf Papier könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Mit der zügigen Einführung des elektronischen Rezepts (E-Rezept) will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) vor allem die Telemedizin voranbringen“ belegen nicht nur der Fachminister, sondern auch KBV- bzw. GKV-Funktionärsriegen weitgehende Ahnungslosigkeit.

Jede/r, der/die schon einmal auch nur einen Tag den Mitarbeitern/-innen einer Vertragsarztpraxis über die Schulter geschaut hat, müsste wissen, dass unseren Patientinnen und Patienten das rote „Kassenarzt“-Rezept nur für kurze Zeit zur Verfügung steht: Denn spätestens beim Verlassen der Apotheke gehört das rote GKV-Rezept als Muster 16 „der Vergangenheit an“, weil die Apotheke es ersatzlos einbehält. Der Patient weiß so noch nicht einmal, ob das korrekte Medikament (unter anderem Namen und Hersteller?) ausgehändigt, beschriftet und für ihn so günstig wie möglich (Festbetrag/Arzneimittel-Rabatt/Zuzahlung/galenische Kompatibilität) abgerechnet wurde. Manche Krankenkassen schließen z. B. gezielt prioritär zu bedienende Rabattverträge mit Medikamenten-Zuzahlungen ab, um ihr Medikamenten-Budget mit den Patienten-Zuzahlungen von 5€ bis 10€ zusätzlich zu entlasten, obwohl es zuzahlungsfreie, vergleichbare Generika-/Original-Präparate gibt. Es steht zu befürchten, das unsere Patientinnen und Patienten diese Problematiken auch in Zukunft mit dem elektronischen Rezept (E-Rezept) nur mit sehr ausgefeilten EDV-Kenntnissen durchschauen werden.

Das ist auch einer der entscheidenden Gründe, dass zusätzlich Medikationspläne erstellt werden müssen: Weil Patienten oft gar nicht mehr wissen, bei welchen Ärzten sie welche Medikamente gegen welche Krankheiten auch immer bekommen haben oder schon gar nicht memorieren können, in welchen Apotheken wofür oder wogegen sie verschiedene, rezeptfrei verkäufliche Präparate (OTC) bekamen.

Elektronische Rezepte (E-Rezept) werden daran insbesondere für unsere älteren, EDV-fernen, teilhabe- und kommunikations-eingeschränkten Patientinnen und Patienten keine Verbesserungen bringen können. Und die Politik spekuliert darauf, dass die oben beschriebenen Feinheiten des elektronischen Rezepts (E-Rezept), wie auch die des bisherigen, papiergestützten "Kassenrezepts", von den eigentlichen "Endverbrauchern" niemals durchschaut werden können.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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