Ärzte Zeitung online, 10.10.2013
 

Hecken schlägt vor

Nutzenkategorie Lebensqualität

Die Lebensqualität der Patienten wird zu einem konkreten Endpunkt in der Pharmaforschung. Das hat der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses in Berlin angekündigt. Die frühe Nutzenbewertung neuer Wirkstoffe steht damit vor einer ethischen Debatte.

BERLIN. Einen Zwischenschritt in der frühen Nutzenbewertung einzuführen hat der unparteiische Vorsitzende des GBA, Josef Hecken, vorgeschlagen.

So sollen Wirkstoffe mit bedingter Zulassung und sich abzeichnendem therapeutischem Potenzial für die Patientenversorgung nutzbar gemacht werden, sagte Hecken beim 5. Cognomed Branchentreff Onkologie am Mittwoch in Berlin.

Eine solche neue Nutzenkategorie erfordere eine Änderung des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG). Die zukünftige Regierung sei hier gefordert, sagte Hecken.

Die ethische Debatte, die frühe Nutzenbewertung stärker an Vorteilen für die Patienten auszurichten, ist längst im Gange. Der GBA werde darauf reagieren, kündigte Hecken an.

Es werde eine befristete Nutzenbewertung geben mit der Auflage, binnen fünf bis sechs Jahren eine Studie mit dem konkreten Endpunkt Lebensqualität vorzulegen.

Nicht nur das Mehr an Überlebenszeit messen

Insgesamt werde man aber in den kommenden Jahren gerade bei neuen Onkologika noch damit leben müssen, nur das Mehr an Überlebenszeit messen zu können. Dabei alleine dürfe es aber nicht bleiben.

Es sei hoch problematisch, die Verlängerung der Lebenszeit gegen Lebensqualität abzuwägen, räumte Hecken ein.

Wo er selbst steht, machte er mit dem Satz klar: "Wenn mir ein Medikament vorgestellt würde, mit dem der Patient keinen Tag länger lebt, dafür aber ohne Nebenwirkungen und mit hoher Lebensqualität, dann könnte das durchaus auch mit einem beträchtlichen Zusatznutzen aus dem AMNOG-Verfahren gehen", sagte Hecken.

Die forschenden Pharmaunternehmen arbeiteten schon heute an Outcome-Studien zur Messung der Lebensqualität von Patienten, entgegnete Birgit Fischer, die Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa). Im Falle der Gliptine sei dies bereits seit 2008 der Fall. (af)

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