Ärzte Zeitung online, 17.10.2013

Kommentar zum Beipackzettel

Realitätsfernes Memorieren

Von Matthias Wallenfels

Schätzen Deutschlands Ärzte das Nebenwirkungsrisiko von Arzneimitteln zu hoch ein? Diese knifflige Frage bejahen Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Biometrie und Statistik der Uni Lübeck und der Uniklinik Schleswig-Holstein mit einer aktuellen Studie.

Sie haben bundesweit 1000 Ärzte, Apotheker und Juristen ausgesucht und sie gebeten, bezüglich Arzneimittelnebenwirkungen spontan den entsprechenden BfArM-Attributen wie "häufig", "gelegentlich" oder "selten" absolute Häufigkeitswerte in Prozent zuzuordnen.

Dabei ergaben sich große Differenzen zwischen den Angaben der Ärzte und den taxierten BfArM-Werten.

Welche Konsequenzen hat das für die Praxisroutine? Eigentlich gar keine! Denn vollkommen ausgeblendet wird im Zuge der Lübecker Studie die reale Praxissituation im Versorgungsalltag.

So hat jeder Arzt in der Praxis via EDV, Web oder auch die klassische Rote Liste die Möglichkeit, schnell die spezifischen Angaben zu Nebenwirkungen eines Präparates inklusive absoluter Zahlen zu finden.

Er muss nicht zwangsweise Werte memorieren. Nicht nur im Interesse einer belastbaren, intakten Arzt-Patienten-Beziehung wird er gewissenhaft recherchieren und den Patienten dann aufklären. Es geht auch um das Berufsethos.

Lesen Sie dazu auch:
Beipackzettel verstehen: Überforderte Ärzte?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Mit Adipositas-Chirurgie bei Teenagern warten?

Extrem adipöse Jugendliche können von bariatrischer Chirurgie offenbar stärker profitieren als Erwachsene. Allerdings haben sie auch höhere Risiken nach dem Eingriff. mehr »

Zahl der Krebskranken wächst rasant

Die Zahl der Krebs-Neupatienten wächst exponentiell. Gleichzeitig leben die Patienten immer länger. Onkologen legen Zahlen vor und fordern eine schnelle Reaktion. mehr »

Immer mehr Kliniken geht es schlecht

Viele deutsche Krankenhäuser schweben in Insolvenzgefahr. Die wirtschaftliche Lage der Kliniken hat sich insgesamt verschlechtert – wohl auch deswegen, weil Patienten seltener stationär behandelt werden mussten. mehr »