Ärzte Zeitung, 01.08.2014
 

Onkologie

Fortschritt und Vergütung nicht im Gleichklang

MÜNCHEN. In der Onkologie hat der medizinische Fortschritt zur Folge, dass inzwischen etwa ein Drittel der neuen Zytostatika nicht mehr als Infusion, sondern als subkutane Injektion oder als Tablette verabreicht wird.

Fehlende Abrechnungsmöglichkeiten führen nach Angaben des Münchner Onkologen Dr. Wolfgang Abenhardt jedoch dazu, dass die neuen Therapieoptionen von einzelnen Praxen aus betriebswirtschaftlichen Gründen den Patienten erst gar nicht angeboten werden.

Die "Oralisierung der Onkologie" schlage sich in der Vergütungsstruktur der niedergelassenen Onkologen in keiner Weise nieder, teilte Abenhardt mit, der auch stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes ambulante spezialfachärztliche Versorgung ist.

Dieser systematische Mangel müsse angesichts der nun anstehenden Einführung der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) in der Onkologie rasch beseitigt werden, forderte Abenhardt. Auch orale Zytostatika seien nebenwirkungsreich und bedürften mehr denn je einer ausführlichen Beratung und ärztlichen Betreuung des Patienten durch den behandelnden Arzt.

Im Falle einer oralen oder subkutanen Therapie können die bisherigen Gebührenordnungspositionen jedoch nicht abgerechnet werden, sodass es zu einer "grotesken Unterbewertung dieser zeitintensiven Tätigkeit" kommt, sagte Abenhardt.

Nachdem die Selbstverwaltung bislang nicht in der Lage gewesen sei diesen "Missstand", so Abenhardt, zu beseitigen, sei jetzt die Politik gefragt. Um eine qualitativ hochwertige Tumortherapie auch in der ASV zu ermöglichen, müssten die erforderlichen zeit- und personalintensiven Tätigkeiten angemessen vergütet werden, forderte Abenhardt.

Wegen der Begrenzung entsprechender Leistungen auf die Fachgruppe und der Pflicht zur Dokumentation seien unkalkulierbare Kostensteigerungen ausgeschlossen. (sto)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bariatrische Chirurgie rückt Bluthochdruck zu Leibe

Adipöse Hypertoniker konnten in einer Studie nach bariatrischer Chirurgie ihre antihypertensive Medikation reduzieren. Die Hälfte erreichte sogar eine Remission des Bluthochdrucks. mehr »

Droht uns jetzt eine Staatskrise?

Jamaika gescheitert, politisches Vakuum in Berlin. Am Beispiel der Gesundheitspolitik lässt sich zeigen, warum das noch keine Krise ist. mehr »

Das müssen Ärzte beim Impfen beachten

Allergische Reaktionen sind eine Kontraindikation für eine erneute Anwendung des Impfstoffs. Ist eine weitere Impfung dennoch nötig, sollten Ärzte diese Tipps beherzigen. mehr »