Ärzte Zeitung online, 18.06.2018

Sachsen-Anhalt

Sektorengrenze einreißen, nicht untertunneln!

Die sektorenübergreifende Versorgung ist das Ziel. Gestellt werden müssen die Weichen dafür in der Region.

MAGDEBURG. Eine stärkere Kooperation zwischen Vertragsärzten und Krankenhäusern ist zwingend notwendig. So der Tenor eines Gesundheitssymposiums der Barmer in Magdeburg.

Rund 150 Hausarztstellen seien bereits derzeit in Sachsen-Anhalt unbesetzt. Tendenz steigend. "Wir brauchen ein Gesamtkonzept, um die sektorübergreifende Versorgung stärken zu können", forderte Barmer-Vorstandschef Professor Christoph Straub in Magdeburg.

Eine gemeinsame Bedarfsplanung sowie eine Harmonisierung der Vergütung gehörten dazu. "Das heißt, gleiches Geld für gleiche Leistung, egal, ob sie von einem niedergelassenen Arzt oder in einer Klinik erbracht wird."

Zustimmung fand das bei Landesgesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). "Warum bemüht man sich nur, Sektorengrenzen zu überwinden, statt sie aus dem Weg zu räumen? Warum die Mauern zwischen den Sektoren untergraben oder überklettern, statt sie einzureißen?" Die unterschiedlichen Logiken und Abrechnungssystematiken im ambulanten und stationären Sektor beförderten nach ihrer Ansicht Barrieren, die dem Patientenwohl entgegen stehen.

Mit Blick auf den Koalitionsvertrag verwies sie auf den geplanten Aufbau regionaler Gesundheitszentren, die auch Krankenhäuser und MVZ einbeziehen. "Wir kennen die demografische Entwicklung und wissen um die drohenden Probleme in der Versorgung gerade in ländlichen Regionen. Wir brauchen innovative Lösungen."

Die Symposiumsteilnehmer bekundeten, dass die Signale aus Union und SPD zur Stärkung der sektorübergreifenden Versorgung den richtigen Weg weisen. Allerdings sei zu befürchten, dass es in dieser Legislatur bei Worten bleibe. Um so wichtiger seien regionale Weichenstellungen.

"In Zeiten von Ärztemangel, langen Wartezeiten und bei älter werdenden Patienten müssen wir vor allem in strukturschwachen Regionen neue Wege gehen, um die Gesundheitsversorgung auch in zehn oder 20 Jahren noch gewährleisten zu können", betonte Barmer-Landeschef Axel Wiedemann. Dazu gehöre auch, Chancen, die sich aus der Telemedizin ergeben, besser und stärker zu nutzen. (zie)

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