Ärzte Zeitung, 11.06.2008

FÜR SIE GESEHEN

Hausarzt gegen Harvard-Professor - die Nebenwelt des Karl W. Lauterbach

Der Gesundheits-Experte, der Renten-Experte, der Chef-Berater von UIla Schmidt - solche medialen Fabeln werden in Berlin inzwischen nicht mehr ernst genommen. Nur einer merkt es nicht: der Betroffene, Professor Dr. med. Dr. sc. Karl W. Lauterbach.

Berlin, Unter den Linden. So heißt nicht nur der Prachtboulevard östlich des Brandenburger Tors, so heißt auch eine Diskussionsrunde in "Phoenix". Dort dürfen die Redaktionsbürokraten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wie Hartmann von der Thann ("Ich würde dann noch gerne eine Frage der Klärung zuführen") frei über der Sache schwebend moderieren. So kommt es, dass der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach und Martin Grauduszus von der Freien Ärzteschaft ihren Disput weitgehend allein bestreiten; bisweilen steht dem Moderator der Mund offen.

Harvard-Professor gegen Hausarzt - ein ungleiches Duell. Sollte man meinen. Ist aber nicht so. Möglicherweise liegt das daran, dass sich der Gesundheitsökonom seine eigene Modell- oder Nebenwelt gebastelt hat und sie mit der Faktenlage verwechselt. Lauterbach hat auch seine eigenen Gesetze. Da soll angeblich drinstehen, dass alle Ärzte gleiches Honorar bekommen. Dass die Euro-Gebührenordnung regional ist und Landes-KVen und Landes-Kassenverbände die Punktwerte festlegen, ist ja egal.

Dass es an manchen Ecken im Gesundheitswesen knapp ist, bestreitet Lauterbach energisch. Jedes vierte Klinikbett ist überflüssig - als ob ein Klinikbett Patienten behandelt.

Ärztemangel? Jetzt oder in Zukunft? Für Lauterbach abwegig. Ärzte-Exodus - "die kommen alle wieder zurück." Dass ein Drittel der niedergelassenen Ärzte, vor allem Hausärzte, in den nächsten Jahren ausscheidet. "Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Das sind solche, die mit dem Wissen von vor 35 Jahren praktizieren." Wenn es überhaupt Mangel gibt, dann hat den die KV verursacht. Dass der Gesetzgeber die Ausgaben budgetiert hat, dass EBM und Honorarverteilung zwischen Kassen und KVen vereinbart werden, scheint dem Professor nicht geläufig.

Trotz allem bleibt der Hausarzt Martin Grauduszus erstaunlich ruhig. Und punktet mit Sachlichkeit. "Für mich sind beim Arzt und in der Schule alle Menschen gleich", sagt Lauterbach und fügt hinzu: "Die ungleichen Honorare sind eine ganz fiese Zwei-Klassenmedizin." Grauduszus' kühler Konter: "Wir Ärzte betrachten unsere Patienten gleich. Die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Honorare hat die Politik gesetzt."

Volltreffer. (Helmut Laschet)

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