Ärzte Zeitung, 31.07.2009

Onkologen aus Praxis und Klinik leisten Integrationsversorgung auch ohne Kasse

Ärzte und Kliniken können die sektorübergreifende integrierte Versorgung auch ohne Vertrag mit einer Kasse auf eine feste Grundlage stellen.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Wie eine integrierte Versorgung ohne Einbezug einer Krankenkasse funktioniert, zeigt das "Praxisnetzwerk Hämatologie/internistische Onkologie". Dort wurde mit vier Krankenhäusern eine Grundlagenvereinbarung über die Kooperation geschlossen. Einzelheiten der Zusammenarbeit sollen genauer in ergänzenden Verträgen geregelt werden. Den Auftakt haben Niedergelassene und Kliniken bereits mit einem Konsilvertrag gemacht.

"Wir wollen eine onkologische Kooperation im rechten Rhein-Sieg-Kreis etablieren und möglichst abgestimmt im Markt auftreten", sagt Dr. Helmut Forstbauer, einer von vier Partnern im Netz. Mit ihnen arbeiten an den drei Praxisstandorten in Troisdorf, Bonn-Beuel und Bad Honnef noch eine angestellte Ärztin und eine Weiterbildungsassistentin. Geplant ist, auch eine Psychoonkologin in die Praxis aufzunehmen. Die vier Kooperationskliniken in Troisdorf, Troisdorf-Sieglar, Bonn-Beuel und Bad Honnef gehören zur Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe.

"Wir hatten schon bisher eine gute Kooperation mit den Krankenhäusern, jetzt haben wir eine vertragliche Grundlage", sagt Forstbauer. "Zentrale Ziele unserer Zusammenarbeit sind die Entwicklung abgestimmter Versorgungskonzepte, die verzahnte Behandlung gemeinsamer Patienten und die Erbringung qualitativ hochwertiger Leistungen." Dazu beitragen sollen die gemeinsame Entwicklung von Leitlinien und Behandlungspfaden oder Fallkonferenzen.

Für ein wichtiges Element haben die Kooperationspartner einen eigenen Vertrag geschlossen: die konsiliarische Mitbetreuung von onkologischen Klinikpatienten durch die Ärzte der Schwerpunktpraxis. "Unsere angestellte Ärztin geht einmal wöchentlich bei den Internisten mit auf die Visite", berichtet er. Bei anderen Fachrichtungen wie der Gynäkologie oder in dringenden Fällen werden die Niedergelassenen bei Bedarf konsiliarisch hinzugerufen. "Wir werden frühzeitig einbezogen, wenn die Patienten eine ambulante Weiterbehandlung benötigen."

Bei allen neuen Patienten mit onkologischen und hämatologischen Erkrankungen besprechen Kliniker und Niedergelassene gemeinsam Diagnostik und Therapie. "Wir geben Empfehlungen für die Therapie ab", sagt der fachärztlich tätige Internist. Insgesamt sind die Ärzte rund 20 Stunden pro Woche in den Krankenhäusern tätig, die diese Leistungen vergüten.

Die eigentliche Behandlung übernehmen die Niedergelassenen bei den onkologischen Patienten nicht. "Mittel- und langfristig streben wir an, dass wir als Niedergelassene direkt im Krankenhaus tätig werden", sagt Forstbauer. Dazu müssten noch viele organisatorische Voraussetzungen geschaffen werden. "Aber grundsätzlich ist es das Ziel der Vertragsparteien."
Die Vereinbarungen zwischen den Krankenhäusern und der Schwerpunktpraxis belegen nach Einschätzung Forstbauers, dass beide Seiten die bisherige Kooperation positiv bewerten. Wenn sich die Klinik für die ambulante Behandlung von Krebspatienten öffnen sollte, werden die Ärzte der Schwerpunktpraxis auf jeden Fall eingebunden. "Das erfolgt in Absprache mit uns oder auch durch uns", sagt Forstbauer.

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