Ärzte Zeitung, 09.09.2009

Montgomery fordert mehr Mitsprache

BÄK-Vize: Einführung von Qualitätszielen geht an Praxisalltag der Ärzteschaft vorbei / Warnung vor Bürokratie

BERLIN (ble). Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery, hat vor einer voreiligen Kopplung von Arzthonoraren an Ergebnisqualität gewarnt.

Es sei "wahnsinnig schwer", Ergebnisqualität überhaupt zu messen, sagte Montgomery auf dem Symposium "Qualität im Fokus" der Stiftung Praxissiegel am Mittwoch in Berlin. Auch seien Ergebnisparameter ohne Risikoadjustierung unsinnig. Zudem sei es bisher nicht gelungen, Ergebnisqualität über die Sektorengrenzen hinweg zu messen. Dies sei aber unerlässlich, so Montgomery.

Gleichzeitig überlegten verschiedene Akteure im Gesundheitswesen aber schon heute, Ergebnisparameter und die Verteilung von Ressourcen im Gesundheitswesen miteinander zu verknüpfen, kritisierte Montgomery. Dieses Streben sei typisch deutsch, weil versucht werde, geradezu Perfektion zu erreichen.

Nach Ansicht des BÄK-Vizes werden Qualitätssicherung und -management zunehmend zu einem Macht- und Steuerungsinstrument im Gesundheitswesen, auch und gerade mit Blick auf Finanzströme. Als Beispiele für die vom Gesetzgeber mit der Gesundheitsreform 2007 weiter forcierte Verknüpfung von Qualität und Wettbewerb nannte er den Gemeinsamen Bundesausschuss und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dies führe auch dazu, dass der Patient vom Kranken zum Kunden werde.

Die bisher betriebene Einführung von Qualitätsparametern in das deutsche Gesundheitswesen werde von den Ärzten als "Tsunami" empfunden, der ihnen neue regulatorische und bürokratische Lasten auferlege, ohne einen persönlichen Lernerfolg mit sich zu bringen, klagte Montgomery. Es gebe einen Zertifizierungswildwuchs, bei Beratern sei nicht immer klar, welche Interessen diese wirklich verfolgten.

Insgesamt sei die Kultur der Qualitätssicherung in Deutschland vom Gedanken geprägt, die Ärzteschaft zu kontrollieren. Montgomery rief dagegen dazu auf, die Mediziner in Entscheidungen einzubinden und den Akteuren im deutschen Gesundheitswesen wieder mehr Autonomie zu gewähren.

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