Ärzte Zeitung, 15.07.2010

Hausärzteverband will Röslers Reformpläne kippen

Regionale Praxisschließungen geplant / Ausstieg aus KV-System als "Option"

BERLIN/KÖLN (hom). Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) stehen turbulente Wochen ins Haus: Aus Protest gegen die geplante Neuregelung zur hausarztzentrierten Versorgung soll es in den nächsten Wochen zu Praxisschließungen in ganz Deutschland kommen, hieß es nach einer Sitzung der Landesverbände des Deutschen Hausärzteverbandes in Köln.

Hausärzteverband will Röslers Reformpläne kippen

Patienten könnten demnächst vor verschlossenen Praxen stehen.

© dpa

Geplant sind zunächst Aktionen in den Wahlkreisen der Abgeordneten von Union und FDP, wie aus einem Strategiepapier hervorgeht, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt. Darin werden "Kampfmaßnahmen" beschrieben, mit denen die Hausärzte Röslers Pläne kippen wollen, das Honorar in Hausarztverträgen auf das im KV-System gängige Vergütungsniveau zu drücken. Die Kampagne soll unter dem Motto "Lüge - dieser Minister schadet Ihrer Gesundheit" laufen.

Mit der "Kampfansage" reagiere man auf wütende Briefe, in denen Hausärzte und deren Patienten erklärt hätten, dass sie sich die "Attacke" Röslers nicht bieten ließen, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. Auch der Ausstieg der Hausärzte aus dem KV-System werde erwogen. Dennoch sei man weiter gesprächsbereit. "Wenn der Minister nicht länger sein Ziel verfolgt, innovative Versorgungsmodelle zu beseitigen, sitzen wir im Interesse unserer Patienten sofort mit am Tisch."

Lesen Sie dazu auch:
Hausärzte wollen mit "Politik der Nadelstiche" Rösler stoppen
SPD erwägt Verfassungsklage gegen Gesundheitsreform
"Hausärzte in Westfalen-Lippe behalten rote Laterne"

Weitere Berichte zum Thema:
Rösler will im Streit um Hausarztverträge nicht nachgeben
Bayerns Hausärzte laufen Sturm gegen Reformpläne
Wollen Unions-Landespolitiker das Reform-Paket wieder aufschnüren?
Rösler bei Maybrit Illner: Wie unsere Elf in der Defensive stecken geblieben
Bahr will Kostenerstattung ausweiten

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »