Ärzte Zeitung, 24.09.2010

Patienten gehen häufig zu spät zum Ohrenarzt

BERLIN (af). Jeder sechste Mensch in Deutschland ist schwerhörig. Ein Drittel der über 65-jährigen hört schlecht. Der Wirtschaft in Europa entsteht durch Schwerhörigkeit ein Produktivitätsverlust von jährlich 213 Milliarden Euro.

Diese Zahlen nannte Dr. Roger Radke, Chef der Audiologischen Sparte von Siemens, beim Zukunftsforum Langes Leben in Berlin. Gründe seien das Hören zu lauter Musik per Kopfhörer, Lärmbelastung im Alltag und Übergewicht. Zwischen sieben und zehn Jahren zögerten die meisten Betroffenen, bevor sie einen Ohrenarzt aufsuchten, so Radke.

Dadurch riskierten sie einen Verlust an Lebensqualität bis hin zur Depression. Hörgeräte der Zukunft werden mit der Telekommunikationstechnik verbunden sein, sagte Radke.Hörgeräte kurierten aber nur das Symptom, so die Charité-Chefgerontologin Professor Elisabeth Steinhagen-Thiessen. Ärzte sollten bei der Diagnose Schwerhörigkeit immer auch an einen Defekt des zentralen Hörens denken. Dies könne bereits die erste Stufe einer Demenz signalisieren.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Beginnt die MS im Dünndarm?

Im Dünndarm werden wohl "Schläfer-T-Zellen" aktiviert, die eine MS triggern. Jetzt sind Forscher auf der Suche nach dem Auslöser – und haben Keime im Verdacht. mehr »

Wie die Neurologie von der Flüchtlingskrise profitiert

Migranten sind für Europa eine Herausforderung, doch sie bringen auch neue Erkenntnisse: Mediziner können durch Zuwanderer erforschen, wie Gene und Umwelt mit neurologischen Krankheiten zusammenhängen. mehr »

Hausbesuche bringen wohl mehr Honorar

Beim GKV-Spitzenverband gilt als ausgemacht, dass die Ärzte für eine Ausweitung der Mindestsprechzeiten nur sparsam honoriert werden sollen. Das Honorarsystem soll keine Gelddruckmaschine für Ärzte sein. Eine Ausnahme könnte es geben: Hausbesuche. mehr »