Ärzte Zeitung, 28.09.2011

"Abgestufter Sanktionskatalog" in Südwest-HzV

Vertragspartner in Baden-Württemberg legen Strafen für Hausärzte fest, die Pflichten lax handhaben.

STUTTGART (fst). Ein "Sanktionskatalog" im AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg hat Hausärzte irritiert. Der Hausärzteverband hat daher in einem Rundschreiben die neue Vereinbarung erläutert.

Bei diesem Katalog handele es sich "um eine Qualitätssicherungsmaßnahme der hausarztzentrierten Versorgung", schreiben Verbandschef Dr. Berthold Dietsche und sein Vize Dr. Frank-Dieter Braun.

Zudem seien "aktuell maximal 0,5 Prozent der teilnehmenden Kollegen" betroffen. Zum 1. Juli haben die Vertragspartner in Anlage 6 des Vertrags festgelegt, was geschieht, wenn teilnehmende Hausärzte einzelne Vertragspflichten nicht erfüllen. Bislang sah der Vertrag bei Verstößen einzig und allein die Maximalstrafe vor: den Ausschluss.

Vereinbart worden sei nun ein "abgestufter Maßnahmenkatalog", der den Ärzten Gelegenheit biete, ausstehende Qualifikationen nachzuholen, heißt es.

Zu den Pflichten von Hausärzten gehören unter anderem die Teilnahme an zwei Fortbildungsveranstaltungen pro Kalenderjahr, an vier Qualitätszirkeln sowie das Mitmachen bei DMP. Auch das Vorhalten einer aktuellen Vertragssoftware ist obligatorisch.

Ein Beispiel: Verschlafen Hausärzte zum zweiten Mal eine Fortbildungsveranstaltung, verringert sich die Pauschale P 1 um fünf Euro. Die Regelung erlaube also "einen Freischuss", erläutert der Verband.

[11.10.2011, 16:05:04]
Dr. Harald Rothe 
Sanktionskatalog in Südwest-HZV
Als einer der ersten "HZV-Jünger" war ich mit Begeisterung dem Weg gefolgt, auf unbürokratische Weise - "Bierdeckelbrechnung", so der Tenor des Kollegen Braun - unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Erfordenisse meinem Beruf nachgehen zu dürfen. Insbesondere das Verfahren, die Kollegen zu honorieren, die äußerst wirtschaftlich verordnen (Bonussystem) erschien mir ein völlig neuer Aspekt im Gegensatz zur Regressdrohung der KV. Mittlerweile ist aus den Vertragsbestimmungen der Hausärztlichen Versorgung hier bei uns im Südwesten ein bürokratischer Supergau erwachsen, dem jeder Sinn und Verstand abhanden gekommen ist. Dass sich nunmehr unsere eigenen Verbände, finanziert durch unsere Mitgliedsbeiträge, erdreisten ihre Mitglieder mit einem Sanktionskatalog zu torpedieren, setzt dem Ganzen schlichtweg die Krone auf. Macht korrumpiert ... auch bei uns im schönen Südwesten. Adieu Hausarztverträge.
Dr. Harald Rothe
Rabenstrasse 1
88471 Laupheim
07392/2606 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »