Ärzte Zeitung, 02.03.2012

Der Standpunkt

Humus für die Hausärzte

Nichts gegen Hochleistungsmedizin, aber eine gute Gesundheitsversorgung braucht mehr als mehrere Dutzend Spezialdisziplinen, meint Helmut Laschet. Gerade für die Breitenversorgung braucht es den qualifizierten Allgemeinarzt.

Humus für die Hausärzte

Der Autor ist stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Gesundheitspolitik bei der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie ihm: helmut.laschet@ springer.com

"Es ist nicht ausreichend, wenn wir in der Hochleistungsmedizin als Universitätskliniken Herausragendes leisten, sondern wir müssen auch am System arbeiten, an seiner Effizienz und Qualität. Das dürfen wir nicht allein der Politik und den Versicherungen überlassen."

Diesen Satz der kaufmännischen Direktorin des Uniklinikums Heidelberg, Irmtraud Gürkan, sollten Wissenschaftsmanager - und als solche dürften sich Führungskräfte in Forschung und Lehre wohl verstehen -, verinnerlichen.

Denn gemeint damit ist die Funktion der Allgemeinmedizin, die an den bislang in Deutschland etablierten Lehrstühlen oft auch die Versorgungsforschung übernommen hat.

Allmählich gelingt es der Allgemeinmedizin, sich von ihrem jahrzehntelangen Kümmerdasein im Schatten der großen medizinischen Disziplinen wie der Inneren Medizin und den kleinen, aber feinen Subspezialitäten zu emanzipieren.

Warum ist das so nötig? Eine gute Versorgung des einzelnen Patienten entsteht nicht aus der Summe der Leistungsfähigkeit mehrerer Dutzend Spezialdisziplinen.

Notwendig für die Breitenversorgung insbesondere älterer chronisch kranker Menschen mit mehreren Leiden ist der qualifizierte Allgemeinarzt, der entsprechend den individuellen Präferenzen seines Patienten eine bestmögliche Versorgung "komponiert".

Diese Koordinationsaufgabe, die nicht nur Versorgungsorganisation ist, sondern auch die Oberaufsicht über Spezialitäten behält, wird an Bedeutung gewinnen.

Dafür müssen fähige und motivierte Ärzte gefunden werden. Die nun diskutierten Reformpläne für das Medizinstudium, insbesondere ein PJ-Pflichtquartal in der Allgemeinmedizin, weisen in die richtige Richtung.

Es dürfte für jeden angehenden Arzt, auch den späteren Spezialisten, hilfreich sein, die Arbeitsbedingungen der Grundversorgung erfahren zu haben.

Nötig sind dazu weitere Investitionen in den Ausbau der Allgemeinmedizin an den Universitäten. Reine Willensbekundungen reichen nicht.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (18557)
Personen
Helmut Laschet (1409)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

736 Notfallzentren reichen zur Notfallversorgung

Wie viele Notfallenzentren sind nötig und wo sollten sie betrieben werden, um die Bevölkerung gut zu versorgen? Ein Gutachten im Auftrag der KBV hat das jetzt analysiert. mehr »

Keuchhusten - längst keine Kinderkrankheit mehr

An Pertussis erkranken in Deutschland vor allem Erwachsene. Sie stellen eine Gefahr für Säuglinge dar. Wir zeigen, wie viele Erkrankte es seit 2001 gab und wie alt sie waren. mehr »

So lässt sich Glutensensitivität erkennen

Immer mehr Menschen vermuten, dass sie Gluten nicht vertragen. Ein Experte gibt Tipps, wie sich in der Praxis klären lässt, ob tatsächlich eine Glutensensitivität vorliegt. mehr »