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Übertragung auf den Menschen sehr selten

Mögliche Hantavirusinfektionen auf einem Kreuzfahrtschiff vermutet

Nach einem etwaigen Virus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik laufen die Ermittlungen. Drei Menschen sind gestorben. Die WHO stuft das Risiko für die breite Öffentlichkeit trotzdem als gering ein.

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Eine weiße ratte sitzt am Boden und schaut in die Kamera.

Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren, meist Ratten und Mäuse, auf den Menschen übertragen.

© Metzger / stock.adobe.com

Niederlande. Auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff im Atlantik wird ein möglicher Ausbruch des Hantavirus vermutet. Derzeit gibt es fünf weitere Verdachtsfälle, alles Personen, die sich an Bord des Kreuzfahrtschiffes „Hondius“ aufgehalten haben. Das Schiff war von Argentinien nach Kap Verde unterwegs.

Wie das Auswärtige Amt mitteilte, sind drei Passagiere gestorben. Ein deutscher Staatsangehöriger starb am Sonntag, zuvor starb im April bereits ein niederländisches Ehepaar, der Mann an Bord und die Frau auf ihrer Heimreise, wie der Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions mitteilte.

Bei der Frau wurde laut Reederei eine Variante des Hantavirus nachgewiesen. Bei den übrigen Todesfällen ist ein Zusammenhang mit dem Virus bislang noch nicht bestätigt.

Ein weiterer Passagier ist laborbestätigt am Hantavirus erkrankt. Er wird auf einer Intensivstation in Johannesburg behandelt. Zwei Crewmitglieder (ein Brite und ein Niederländer) haben Atemwegssymptome. Bei ihnen ist das Hantavirus nicht bestätigt.

Hantavirus: was, wie, wann?

Das Hantavirus ist eine Infektion, die durch eine Gruppe von Viren verursacht wird, die durch Kontakt mit infiziertem Urin, Speichel oder Kot von Nagetieren auf den Menschen übertragen werden. Zu den ersten Symptomen gehören:

  • Schüttelfrost
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Durchfall

Bekannt ist, dass das Virus je nach Region beziehungsweise Kontinent unterschiedliche Auswirkungen haben kann. In der westlichen Hemisphäre kann das Hantavirus ein Lungensyndrom auslösen, das Symptome wie Atemnot und Husten verursacht und zu Atemversagen sowie bis zum Tod führen kann.

In Europa und Asien kann das Hantavirus ein hämorrhagisches Fieber mit Nierensyndrom auslösen, das innere Blutungen, Hypotonie und Nierenversagen verursachen kann.

Epidemiologische Untersuchung noch ausstehend

Die WHO stuft die weiteren Erkrankungen (außer dem bestätigten Fall) sowie die Todesfälle als Verdachtsfälle ein. Eine epidemiologische Untersuchung läuft. Die Organisation schätzt das Risiko für die breite Öffentlichkeit als gering ein und empfiehlt keine Reisebeschränkungen.

Ein Ausbruch auf einem Schiff gilt als ungewöhnlich, da Infektionen typischerweise durch den Kontakt mit Nagetieren übertragen werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten. Laut der WHO können Erkrankungen schwer verlaufen, sie kommen in Deutschland jedoch kaum vor.

Die rund 150 Gäste an Bord des Schiffs können laut Reederei nicht wie geplant in Kap Verde an Land gehen. Für drei Personen ist eine medizinische Evakuierung geplant. Das Schiff könnte dann mit den Passagieren an Bord Kurs auf die Kanarischen Inseln nehmen. Dies sei aber noch nicht gesichert, so der Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions.

Eine Hantavirus-Infektion wird in der Regel durch Kontakt mit dem Urin, dem Speichel oder dem Kot von Nagetieren, meist Ratten und Mäusen, übertragen. Das Infektionsrisiko ist am höchsten bei Personen, die sich in Räumen länger aufhalten, in denen sich infizierter, getrockneter Nagetierkot und -urin befindet. In seltenen Fällen kann eine Infektion auch durch Bisse oder Kratzer von Nagetieren oder durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel erfolgen.

Es gibt verschiedene Übertragungswege auf den Menschen: Unter anderem durch das Einatmen von virushaltigen Aerosolen, über Kontakt mit verletzter Haut oder über kontaminierte Lebensmittel. Hinweise auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es nur bei einem in Südamerika vorkommenden Hantavirus. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und vier Wochen, kann aber auch bis zu acht Wochen betragen.

Viele Fragen bleiben offen

Unklar ist, ob tatsächlich alle drei Todesfälle durch das Hantavirus verursacht wurden. Wie sich die laborbestätigt am Hantavirus Erkrankten angesteckt haben, ist unklar. Und auch, wie dies bei den weiteren möglichen Fällen passiert sein könnte. Auch offen ist, ob es weitere Infektionen unter Passagieren oder der Crew gibt. Bislang gebe es keine weiteren Personen, die Symptome haben, erklärte die Reederei. (dpa/help)

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