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Umfrage

Prinzip „Hausarzt vor Facharzt“: Mehrheit der Bundesbürger ist dafür

Von wegen reformscheu: Das Gros der Deutschen wünscht sich grundlegende Veränderungen – auch im Gesundheitsbereich, so eine neue Studie. Vor allem die geplante Primärversorgung erhält viel Zuspruch.

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„Willkommen in Ihrer Hausarztpraxis“ steht am Empfang in einer Arztpraxis.

Zuerst zum Haus- und dann zum Facharzt: Die Koalition plant ein Primärversorgungssystem. (Symbolbild)

© Daniel Karmann / dpa / picture a

Berlin. Nina Warken (CDU) muss viel Kritik für ihr geplantes GKV-Sparpaket einstecken. Umso mehr Freude bereiten dürfte der Bundesgesundheitsministerin eine Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und des Bosch Health Campus. Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Februar und März insgesamt 2300 Bundesbürger.

Ergebnis: Neun von zehn stufen grundlegende Veränderungen im Gesundheitssystem als sehr oder eher notwendig ein. 71 Prozent sprechen sich für das Prinzip „Hausarzt vor Facharzt“ aus. 63 Prozent halten den Vorrang von ambulanten vor stationären Operationen für sinnvoll – sofern das medizinisch möglich ist.

Skepsis bei Krankheits-KI

Koalition und Gesundheitsministerin dürften das als Zustimmung für das geplante Primärversorgungssystems einordnen. Freilich: Die Ausgestaltung des Prinzips „Hausarzt vor Facharzt“ ist alles andere als trivial. Ebenso die Frage, wie stark digitale Elemente die Primärversorgung ergänzen sollen.

Hierzu ist auch das Meinungsbild in der Bevölkerung gemischt: Während eine Mehrheit Telefon- oder Videosprechstunden sowie Künstliche Intelligenz zur Analyse von Gesundheitsdaten gutheißt, sehen viele eine KI-gestützte Einschätzung von Krankheitssymptomen eher skeptisch.

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Für wünschenswert hält eine Mehrheit eine Versorgung, „die zu ihnen kommt“, wie es Bertelsmann Stiftung und Bosch Health Campus in einer Mitteilung formulieren.

Der Wunsch nach Versorgungsnähe spiegele sich in einer hohen Zustimmung für mobile Sprechstunden in kleineren Gemeinden (79 Prozent) oder Vorsorgemaßnahmen in Alltagseinrichtungen (77 Prozent). Gesundheitszentren als Alternative zur klassischen Arztpraxis würde eine Mehrheit der Befragten auch bei längeren Anfahrtswegen akzeptieren.

Plädoyer für mehr Teamarbeit

Der Geschäftsführer des Bosch Health Campus und Internist, Professor Mark Dominik Alscher, betonte, zukunftsfähige Gesundheitsversorgung werde nur mit einer „belastbaren Primärversorgung“ funktionieren. Diese habe nah bei den Menschen zu sein. Ärztliche, pflegerische, therapeutische und soziale Berufsgruppen müssten stärker als Teams zusammenarbeiten.

Die Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Brigitte Mohn, sagte, das Gesundheitssystem sei wichtiger Pfeiler eines funktionierenden Staatswesens – „der jedoch immer mehr bröckelt“. Die Politik habe rasch Strukturreformen auf den Weg zu bringen.

Tempo bei der Primärversorgung fordern auch die Krankenkassen. Patienten müssten auf klare Verantwortlichkeiten und Behandlungswege zählen können. „Ein Primärversorgungssystem ist dafür der richtige Ansatz“, so der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Dr. Jens Baas.

TK-Chef: Ersteinschätzung zwingend

Ein Primärversorgungssystem könne jedoch nur dann für bessere Abläufe sorgen, wenn Patienten zunächst eine Ersteinschätzung durchliefen. Diese, so die TK, habe zunächst die Beschwerden zu erfassen. Das könne entweder digital, per Telefon oder am Praxistresen geschehen.

Anschließend sollten Hilfesuchende direkt zur passenden Versorgungsebene geleitet werden. Bei der Ersteinschätzung sei außerdem festzulegen, ob ein Hausarzt oder ein Facharzt als „Primärversorger“ alle weiteren Behandlungsschritte koordiniere. (hom)

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