Ärzte Zeitung, 13.03.2012

74 Ärzte in Berlin dringend gesucht

Berlins KV-Vize Kraffel spricht von Unterversorgung, die Krankenkassen halten das für absurde Polemik.

Von Angela Mißlbeck

BERLIN. Die Hauptstadt sucht Hausärzte. 47 Sitze für Hausärzte sind in Berlin neu zu besetzen. Dazu kommen zehn für Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten, vier für Anästhesisten, neun für Gynäkologen und vier für Urologen.

Insgesamt können sich 74 Ärzte in Berlin neu niederlassen. Das teilte die KV Berlin im Anschluss an die letzte Sitzung des Landesausschusses für die Bedarfsplanung mit.

Die Senatsgesundheitsverwaltung muss der Entsperrung des einheitlichen Planungsbezirks für die genannten Fachgruppen jedoch erst noch zustimmen. Der Berliner KV-Vize Dr. Uwe Kraffel ruft nun bereits Alarmzustand für die ärztliche Versorgung in Berlin aus.

"Statt einer Überversorgung herrscht eine Unterversorgung. Insbesondere gilt das für die Versorgung an Hausärzten. Dieser alarmierende Zustand soll schnellstmöglich abgeschafft werden", so Kraffel.

Die Bedarfsberechnung erfolgte Anfang März unter Berücksichtigung neuer Regelungen und Zahlen. "Durch die Neuregelung der Bedarfsplanung ist die beharrlich von Krankenkassenvertretern wiederholte These der vermeintlichen Überversorgung in Ballungsräumen zu Recht ad absurdum geführt", so Kraffel.

Krankenkassen: Absurde Polemik

Die Berliner Krankenkassen widersprachen prompt und bezeichneten die Äußerungen Kraffels als absurde Polemik. Berlin sei ambulant ärztlich gut versorgt und Unterversorgung überhaupt kein Thema, teilten sie gemeinsam mit.

Sie verwiesen auf die Relation von 74 offenen Stellen zu aktuell rund 8600 ambulant tätigen Ärzten und Psychotherapeuten.

Bei der Neuberechnung wurden ihren Angaben zufolge nun Demografie, Bevölkerungszuwachs und Strukturveränderungen berücksichtigt. Die Krankenkassen legen nach eigenen Angaben großen Wert darauf, dass die neuen Arztsitze dazu beitragen sollen, die Unterschiede in der Versorgung zwischen den Bezirken zu beseitigen.

So seien Kinder- und Jugendpsychotherapeuten vor allem in Marzahn-Hellersdorf nötig und Hausärzte würden in den Bezirken Treptow-Köpenick, Lichtenberg-Hohenschönhausen, Neukölln und Marzahn-Hellersdorf gesucht.

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