Ärzte Zeitung, 18.02.2013

Südwesten

Erschreckend wenig Ärzte rücken nach

STUTTGART. Die Zahl der nachrückenden Hausärzte im Südwesten ist viel geringer als bisher angenommen. Das ergibt sich aus Zahlen, die bei der jüngsten Vertreterversammlung der KV Baden-Württemberg vorgestellt worden sind.

Nach Angaben von KV-Vorstandsvize Dr. Johannes Fechner haben im vergangenen Jahr nur 117 Mediziner in Baden-Württemberg die Prüfung zum Facharzt für Allgemeinmedizin absolviert.

Bislang ist die KV in ihren Vorausberechnungen von 220 Absolventen ausgegangen. Aber selbst diese Zahl liegt weit unter den rund 350 Hausärzten, die ihre Praxis im vergangenen Jahr verkaufen wollten.

Zuletzt war im Jahr 2008 das Verhältnis von Praxisabgaben und jungen Ärzten, die eine Praxis übernehmen, mit rund 230 ausgeglichen. In den Jahren 2012 bis 2015 geht die KV von jährlich 310 bis 350 Praxisabgaben aus.

Die Zahl der Nachrücker wurde bisher mit jährlich jeweils 220 taxiert - viel zu hoch, wie sich jetzt zeigt. Die KV ging bisher davon aus, dass sich die Zahl der fehlenden Nachrücker bis 2015 auf rund 500 addieren würde - auch diese Annahme muss nun nach oben korrigiert werden. (fst)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[18.02.2013, 09:52:08]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Aus Spezialisten werden Allgemeinärzte
In anderen Bundesländern ist die Lage noch viel dramatischer: das deutsche Gesundheitswesen ist und bleibt von einer sinnvollen Verteilung von Primär- und Sekundärärzten weit entfernt.
Wir haben zwei Möglichkeiten: entweder wird für eine Zeit von etwa 10 Jahren der ein Grossteil der frischen Ärzte zu Allgemeinmedizinern ausgebildet - oder die Spezialisten müssen ungelernt die hausärztlichen Aufgaben übernehmen.
Formulare, Betreuung psychischer Krisen, Hausbesuche etc. sind ja kein Privileg der Hausärzte. Dann machen HNO-Ärzte eben Hausbesuche bei Grippe, Internisten bei Fieber, Chirurgen bei Bauchschmerzen, Urologen und Gynäkologen bei Urin-Katheterproblemen ...
Und wenn ein Patient Beschwerden in mehreren Organsystemen hat, dann müssen eben mehrere Spezialisten ran. Nacheinander oder gleichzeitig.
(Allgemeinärzte bearbeiten im Schnitt etwa 2-3 verschiedene Organsysteme je Konsultation; 2-3 Fachspezialisten werden also für jeden fehlenden Hausarzt benötigt, wenn die Versorgungsqualität nicht leiden soll)
In dieser Aufzählung fehlt die weitergebildete MFA? Mehr als 20% hausärztlicher Aufgaben kann und darf diese nicht übernehmen. Abgesehen davon wird es nicht billiger - und wir haben jetzt schon einen Pflegemangel, der den Ärztemangel übertrifft.
Also: entweder wir steuern jetzt sofort und drastisch um - oder die Spezialisten können sich warm anziehen - zum Hausbesuch. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »