Ärzte Zeitung, 04.03.2013
 

Pädiatrie

Rollende Kinderarzt-Praxen keine Lösung

Auf dem Land werden sich Pädiater in Ärztehäusern zusammenschließen, die Einzelpraxis hat dort kaum noch eine Chance. Davon ist der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte überzeugt.

Von Raimund Schmid

Rollende Kinderarzt-Praxen keine Lösung

Pädiaterin in einer Einzelpraxis: Aus Sicht des BVKJ hat diese Form der Berufsausübung nicht in allen Regionen eine Zukunft.

© Klaus Rose

WEIMAR. Nur mit Strukturänderungen kann die ambulante Kinder- und Jugendmedizin flächendeckend aufrecht erhalten werden. Davon zeigt sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) überzeugt.

Zwar bestehe in der Pädiatrie kein "Nachwuchsmangel per se", da die Zahl der abgeschlossenen Weiterbildungen pro Jahr nicht zurückgehe, erklärte BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann beim bundesweiten Kongress für Jugendmedizin in Weimar vor rund 500 Teilnehmern.

Da aber überwiegend Frauen den Beruf des Kinder- und Jugendarztes anpeilten, müssten verstärkt "gemeinschaftliche Formen der Berufsausübung" geschaffen werden. Diese sollten den Wünschen von Pädiaterinnen entgegenkommen, primär auch im Angestelltenverhältnis und in Teilzeit arbeiten zu können, fordert Hartmann.

Kooperationen nötig

Die neue Bedarfsplanungsrichtlinie des GBA ziele aus Sicht der Kinder- und Jugendärzte in die richtige Richtung. So begrüßt es der BVKJ, dass unter der Beteiligung der Kommunen und Landkreise Landesausschüsse von Ärzten und Krankenkassen gebildet werden können.

Damit könnten regionale Besonderheiten besser berücksichtigt und auch in der Pädiatrie von vorgegebenen Richtlinien leichter abgewichen werden.

Die kinder- und jugendärztliche Versorgung wird sich nach Darstellung des BVKJ primär auf Groß- und Mittelstädte mit 30.000 bis 50.000 Einwohnern konzentrieren.

Dort würden zunehmend große Ärztezentren unterschiedlicher Ausrichtung entstehen, in denen auch ambulant tätige Kinder- und Jugendärzte gut eingebunden werden könnten.

Auch Einzelpraxen seien in Ballungsgebieten weiter überlebensfähig, da dort weiterhin von einer engen stationären Anbindung und einem geregelten Notdienst ausgegangen werden kann.

Pädiattrische Sprechstunde stunden- oder tageweise

Ganz anders stellt sich die Situation für Hartmann in Kleinstädten und ländlichen Regionen dar. Dort bliebe den meisten hausärztlich tätigen Ärzten wohl nichts anderes übrig, als sich in "Berufsausübungsgemeinschaften" zusammenzuschließen.

Auf dem Land, wo wenige Kinder aufwachsen, werde es reichen, in regionalen Ärztehäusern tage- oder stundenweise eine pädiatrische Sprechstunde anzubieten. Dabei seien die Kommunen in der Pflicht, auch immobilen Eltern Transportangebote zum nächstgelegenen medizinischen Zentrum zu ermöglichen.

Für wenig tragfähig hält es Hartmann, wenn kleine Kommunen Pädiater mit Baugrundstücken oder Geldangeboten locken.

Auch rollende Arztpraxen seien für die Pädiatrie keine Lösung, weil sie räumlich nicht die Voraussetzungen erfüllten, eine qualifizierte und auf Vorsorge ausgerichtete Pädiatrie zu erbringen.

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