Ärzte Zeitung online, 23.01.2014

Sachsen Anhalt

Mit geballter Faust ins neue Jahr?

Unterfinanzierung, leer stehende Arztpraxen, fehlende Arzneimittel - die Ärzte in Sachsen-Anhalt sagen zum Jahresbeginn klipp und klar, wo ihnen der Schuh drückt.

Von Petra Zieler

Versorgungsdefizite werden immer deutlicher sichtbar

Zwangsverordnete Terminvergaben sind überflüssig: Sachsen-Anhalts Kammerpräsidentin Dr. Simone Heinemann-Meerz.

© privat

MAGDEBURG. "Mit geballter Faust lässt sich kein Händedruck wechseln": Sachsen-Anhalts Kammerpräsidentin Dr. Simone Heinemann-Meerz fand beim traditionellen Kammer- Neujahrsempfang deutliche Worte.

"Wir haben alle die gleichen Ziele", warb sie bei Kassen und Politikern um Gesprächsbereitschaft. Dem Land Sachsen-Anhalt schlug sie vor, 115 Millionen Euro Steuermehreinnahmen zielgerichtet auch für den Abbau des Investitionsstaus in Krankenhäusern und einen Schuldenschnitt bei den beiden Universitätsklinika zu nutzen.

Zwangsverordnete Terminvergaben mit "neu erfundenen bürokratischen Institutionen und der Drohung von Finanzentzug" dagegen seien überflüssig, zumal es Krankenhäusern schwer fallen dürfte, den Facharztstandard in der ambulanten Versorgung vorzuhalten, stellte die Kammerchefin klar. Lange Wartezeiten seien "kein Ausdruck von mangelnder Arbeitsmoral, sondern von Ärztemangel".

Zwar steige in Sachsen-Anhalt die Zahl der berufstätigen Ärzte (von 8251 im Jahr 2010 auf 8761 Ende 2013), doch bleibe auch bei Medizinern die negative demografische Entwicklung nicht ohne Folgen. So gebe es deutlich weniger Ärzte in den Altersgruppen bis zu 49 Jahren als bei den über 50-Jährigen.

Oft fehlen Arzneimittel

"Unsere Prognosen zeigen", so Dr. Burkhard John, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, "dass bis zum Jahr 2025 mehr als 800 Hausarztsitze nachbesetzt werden müssen."

Auch bei Dermatologen oder HNO-Ärzten zeichneten sich bereits Engpässe ab. Trotz aller Bemühungen werde es schwer, die Versorgung in gewohnter Weise aufrecht zu erhalten. John forderte deshalb eine Angleichung der Finanzierung an die höhere Morbidität und sprach sich für eine Optimierung der Weiterbildung insbesondere im ambulanten Bereich aus.

Immer häufiger gingen laut Dr. Jens Münch in Sachsen-Anhalts Apotheken die Medikamente aus. Der Präsident der Landesapothekerkammer, dem in der eigenen Apotheke derzeit rund 50 verschiedene Arzneimittel fehlten, sieht die Ursache dafür auch in Rabattverträgen mit den Kassen.

So gelangten Unternehmen, die den Zuschlag erhalten hätten, oft an ihre Kapazitätsgrenzen, andere stellten die Produktion ein.

Aber auch die zunehmende Globalisierung trage zur unerträglichen Situation bei. Bestimmte Wirkstoffe würden nicht mehr in Europa produziert. Leidtragende von Transport- und Produktionsschwierigkeiten seien Patienten.

Bezog sich der Mangel noch vor einigen Jahren vornehmlich auf Zytostatika, seien längst auch Diabetes- oder Herz-Kreislauf-Medikamente betroffen.

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