Ärzte Zeitung online, 13.10.2014

Pädiater

Kinderrechte sollten Vorrang haben

Die UN-Kinderrechtskonvention wird nur mangelhaft realisiert, kritisiert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte auf seinem Herbstkongress. Die Pädiater fordern, die Rechte der Kinder über die der Eltern zu stellen.

BAD ORB. Flüchtlingsfamilien in Deutschland werden nach Auffassung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) nicht ausreichend gesundheitlich versorgt.

Vor allem der Impfschutz sei bei Kindern und auch Erwachsenen oftmals nicht gewährleistet, kritisierte Verbandspräsident Dr. Wolfram Hartmann am Montag beim Herbstkongress der Pädiater im hessischen Bad Orb.

"Alle, die ins Land kommen, müssten eigentlich eine erneute Grundimmunisierung bekommen, um die Gefahr zu bannen. Aber das kostet Geld und Personal. Und das ist im Moment nicht ausreichend gesichert", sagte Hartmann.

Dabei habe jedes Kind ein Grundrecht auf Impfschutz und Gesundheitsvorsorge. In dieser Hinsicht missachte Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention.

Pädiater: Kinderrechte vor Elternrechte

Erneut forderten die Pädiater die Politik auf, Kinderrechte durch eine Grundgesetzänderung zu stärken. Dies sei notwendig, damit künftig das "Grundrecht eines jeden Kindes höher zu bewerten ist als das Erziehungsrecht der Eltern", hatte Hartmann bei der Eröffnung des Kongresses am Sonntag vor 400 Teilnehmern gesagt.

Es sei unhaltbar, dass nach heutigem Recht auch solchen Eltern, die ihrer Fürsorgepflicht und ihrem Erziehungsauftrag nicht nachkommen, ein "vorrangiger Stellenwert" eingeräumt wird, dem sich sowohl staatliche Organe wie auch die Ärzte beugen müssten.

Die elterliche Fürsorgepflicht werde zum Beispiel dann fahrlässig vernachlässigt, wenn einem Kind der derzeit mögliche Schutz "vor durch Impfung zu verhütende Erkrankungen" vorenthalten wird. Hartmann: "Aus ärztlicher Sicht müsse man hier von unterlassener Hilfeleistung" sprechen.

Das Recht eines Kindes auf körperliche Unversehrtheit, zu dem auch Impfungen gehören, müsse stets Vorrang haben. Deshalb untermauerte der BVKJ seine Forderung, nur Kinder mit den anerkannten Basisimpfungen in öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen aufzunehmen.

Hilfreich sei hierfür auch ein "Nationales Impfkonzept", an das sich bislang aber keine Bundesregierung heran getraut habe, kritisierte Hartmann. So seien auch in Zukunft gerade wenig gut behütete Kinder gefährdet, an Windpocken, Mumps oder Masern zu erkranken.

Dr. Thomas Fischbach wird neuer Präsident

Bei der Delegiertenversammlung des BVKJ wurde zudem die neue Führungsriege des Verbandes gewählt. Ab November 2015 wird der Solinger Kinder- und Jugendarzt Dr. Thomas Fischbach neuer Präsident werden.

Unterstützt werden wird er von drei Vizepräsidenten: Dr. Sigrid Peter aus Berlin, Professor Ronald Schmid aus Altötting und Dr. Roland Ulmer aus Lauf. Der bisherige Präsident Dr. Wolfram Hartmann bleibt noch bis 31. Oktober 2015 im Amt. (dpa/ras)

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