Ärzte Zeitung online, 03.11.2014

Hygieneskandal

Stiftung Patientenschutz will "Hygiene-Ampel" für Kliniken

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz macht sich für eine "Hygiene-Ampel" für Krankenhäuser stark. Ein ähnliches Modell gibt es bereits für Restaurants.

MANNHEIM. Als Konsequenz aus dem Hygieneskandal am Uniklinikum Mannheim verlangt die Deutsche Stiftung Patientenschutz mehr Transparenz über die Hygiene an Krankenhäusern. "Wir fordern eine Hygiene-Ampel an der Tür von Krankenhäusern, wie bei Restaurants", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur dpa.

"Der Patient ist am schlechtesten darüber informiert, was in einem Krankenhaus vor sich geht." Wegen festgestellter Hygienemängel im OP-Bereich steht das Uniklinikum Mannheim seit Wochen unter Druck. Geschäftsführer Alfred Dänzer trat infolge der Affäre zurück. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. (dpa)

[04.11.2014, 19:57:45]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Eine Ampel auch für Klinik-Patienten und -Besucher?
Kliniken werden von potenziell Krankheitskeime tragenden Besucherinnen und Besuchern bzw. Patienten frequentiert, die nicht immer elementare Hygiene-Regeln beherzigen. Gelegentlich kaum gewaschen, mit müffelnder Kleidung, lang verschmutzten Finger- und Fußnägeln oder frischen Infektzeichen, tragen sie Hundekot und Straßendreck an ihren Schuhsohlen hinein. Sie bevölkern die Klinikflure, die Cafeteria, das "Büdchen" am Klinikeingang und die Anmeldetresen der Stationen bzw. Ambulanzen.

Danach dringen sie in die Kernzonen nosokomialer Infektionsrisiken vor: In die Krankenzimmer zu ihren kranken Angehörigen, in die Räume der Stationsmitarbeiter, in die Funktionsbereiche und Nasszellen auf der Suche nach Blumenvasen oder in die Besucher-, Patienten- und Personaltoiletten.

Weite Patienten- und Besucherkreise nutzen die kostenlos zur Verfügung gestellten Desinfektionsmittel nicht v o r, sondern erst n a c h Abschluss ihres Klinikbesuches. Weil sie trotz möglicher persönlicher Infektiositäten davon überzeugt sind, erst i n n e r h a l b der Klinikmauern gefährliche Keime erwerben zu können. Keine A m p el sagt ihnen, ob sie nicht besser am Klinikeingang halt machen müssten. Denn andernfalls tragen sie möglicherweise s e l b s t zur Problematik nosokomialer Krankenhausinfektionen und Hygienemängel bei.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

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