Ärzte Zeitung App, 04.11.2014
 

Ärztetag

Zehn Prozent Ärzte in den Aufsichtsrat von Kliniken

WEIDEN. Mindestens zehn Prozent der Mitglieder im Aufsichtsrat eines Krankenhauses sollten eine gültige Approbation als Arzt vorweisen können. Das hat der Bayerische Ärztetag in Weiden gefordert. In den Aufsichtsgremien von Kliniken müsse mehr medizinischer Sachverstand vertreten sein, verlangten die Delegierten.

Bei einem Aufsichtsrat mit weniger als zehn Mitgliedern sollte wenigstens ein approbierter Arzt dabei sein. Der Rationalisierungsdruck, der derzeit auf den Ärzten und dem Pflegepersonal lastet, habe vielerorts ein unerträgliches Maß angenommen.

Dies führe dazu, dass die Qualität leidet und die Gefahr von Behandlungsfehlern steigt, beklagte der Ärztetag. Daher müsse die von der Politik ausgerufene Qualitätsoffensive in der Krankenhausversorgung auch eine qualitätssichernde Finanzierung einschließen, so die Delegierten.

Krankenhäuser und Kostenträger sollten deshalb bei ihren Budgetverhandlungen wieder mehr Spielräume bekommen.

Die Krankenhausfinanzierung müsse vor allem bedarfsgerecht sein. Die Ausrichtung auf ökonomischen Erfolg oder gar Gewinnerzielung lehnte der Ärztetag ab. Medizinisch fragwürdige Mengenausweitungen müssten zurückgedrängt werden.

Die Notfallversorgung oder Krankenhausabteilungen, die für eine Versorgung in der Fläche notwendig sind, würden derzeit über Fallpauschalen nur unzureichend refinanziert. Notwendig sei daher eine zweite Finanzierungssäule für strukturell versorgungsnotwendige Vorhaltungskosten. (sto)

[05.11.2014, 23:12:16]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
"Gewinne" von öffentlichen Krankenhäusern müssen selbstverständlich VERBOTEN sein,
denn sie werden von Steuergeldern gebaut und teuer eingerichtet und danach geht der Besitz völlig formlos an den Träger über.
Skandalöserweise werden immer noch selbstfinanzierte Praxiskliniken und ambulant operierende Fachärzte finanziell bei der Leistungsvergütung auch noch benachteiligt. zum Beitrag »
[04.11.2014, 22:35:57]
Dr. Manfred Stapff 
Approbierte Mitglieder im Ausichtsrat: das alleine genügt nicht...
... um das Dilemma Krankenversorgung versus Gewinnmaximierung zu lösen.
Diese 10 Prozent Aufsichtsratsmitgielder mit Approbation würden nach wie vor dem Druck nach Shareholder-Value ausgesetzt.
Das Fresenius-Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, die verhindern, dass wegen gewinnorientiertem Rationalisierungsdruck Geld von der Solidargemeinschaft (Krankenkassen) in private Taschen (Aktionäre) umgeleitet wird.
Regeln, ähnlich der Non-Profit Organisationen müßten sicherstellen, daß Überschüsse von Leistungsanbietern im Gesundheitswesen, deren Einnahmen überwiegend aus gesetzlichen Kassen kommen, in die Verbesserung der Krankenversorgung zurückfließen, anstatt dem System entnommen zu werden.
Ein oder zwei Aufsichtsräte, die irgendwann einmal ein Medizinstudium abgeleistet haben, werden das nicht lösen.  zum Beitrag »

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