Ärzte Zeitung, 05.11.2015

Terminservicestellen

Es gibt kein Moratorium

Die KV Thüringen hat beim Bundesgesundheitsministerium eine Abfuhr kassiert: Es wird kein Moratorium zum Thema Terminservicestellen geben; sie starten wie geplant im Januar.

Von Katrin Zeiss

ERFURT. Die KV Thüringen (KVT) ist mit ihrer Forderung nach einem Moratorium für die umstrittenen Terminservicestellen beim Bundesgesundheitsministerium abgeblitzt.

Aus Sicht des Ministeriums könne die ärztliche Betreuung von Flüchtlingen nicht als Grund für einen solchen Schritt gelten, sagte der Vorsitzende der Vertreterversammlung, Andreas Jordan, bei der jüngsten Sitzung des Gremiums und verwies auf ein Schreiben aus dem Ministerium an die KV.

Mit der großen Einsatzbereitschaft vieler Ärzte bei der Betreuung geflüchteter Menschen hatte die Vertreterversammlung im September ihre Forderung nach einem Aussetzen der gesetzlichen Verpflichtung begründet. Damit bleibt es auch in Thüringen beim im Versorgungsstärkungsgesetz genannten Termin 23. Januar 2016 für die Einrichtung der zentralen Terminvergabe.

Weichen sind gestellt

Die organisatorischen Weichen für die Terminservicestelle in Thüringen sind weitgehend gestellt, wie KVT-Hauptgeschäftsführer Sven Auerswald erläuterte.

Jeder niedergelassene Facharzt wird nach einem früheren Beschluss der Vertreterversammlung verpflichtet, der KVT zwei Termine pro Monat für zu vermittelnde Patienten zu melden; Patienten mit Überweisung können unter einer separaten Telefonnummer anrufen und um einen Facharzt-Termin bitten - wobei sie sich mit der ihnen zugeteilten Praxis zufrieden geben müssen. Sonderwünsche wie die nach einer bestimmten Praxis würden nicht erfüllt, so Auerswald.

Hausärzte, die einen Patienten über die Terminservicestelle zu einem Facharzt vermitteln wollen, versehen den Überweisungsschein mit einem Code. Damit kann sich der Patient an die Servicestelle wenden. Die Facharztpraxis, in die er überwiesen wird, erhält ein Informationsschreiben.

Umgekehrt informiert sie die Servicestelle über die Inanspruchnahme des Termins - die KVT erhofft sich über dieses Prozedere Aufschluss darüber, wie gesetzliche Krankenversicherte dieses bei der Ärztevertretung ungeliebte Angebot annehmen.

Jordan sagte, trotz aller Kritik sei es Ziel, die Terminvergabe innerhalb der gesetzlich geforderten vier Wochen hinzubekommen. "So sehr wir uns gegen die Einrichtung von Terminservicestellen gewehrt haben, so ist es doch in unserem Interesse, dass die Terminvergabe funktioniert."

Anderenfalls drohe das Szenario, dass sich Patienten bei längeren Facharzt-Wartezeiten an Krankenhäuser wenden. Deren Behandlungskosten gingen dann zulasten der kassenärztlichen Honorare.

Ob und wie schnell sich das Interesse an der Terminvermittlung in Thüringen wieder legt - etwa, wenn die GKV-Versicherten feststellen, dass ohne Überweisung gar nichts geht oder sie keinen Anspruch auf einen Wunscharzt haben - , ist derzeit nicht abschätzbar.

Zunächst einmal gehen die Thüringer Arztpraxen angesichts teils monatelanger Wartezeiten auf Facharzttermine von einem Run auf das Angebot aus. "Ab Montag, dem 25. Januar, rechnen wir mit Anrufen", sagte Auerswald - der Stichtag 23. Januar ist schließlich ein Samstag.

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