Ärzte Zeitung, 02.09.2016
 

Wahl in Schleswig-Holstein

Die KV mit der etwas anderen Note

Friede, Freude, Eierkuchen? In der KV Schleswig-Holstein geht es nicht um Harmonie um jeden Preis - und doch ticken dort die Uhren ein wenig anders als im Rest der Republik.

Von Dirk Schnack

Die KV mit der etwas anderen Note

„Wir sind nicht harmoniesüchtig“: Dr. Christian Sellschopp, Vorsitzender der Abgeordnetenversammlung.

© KVSH

BAD SEGEBERG. Anderer Name, andere Wahlordnung, andere Diskussionskultur: Die mit der Vertreterversammlung in anderen KVen gleichzusetzende Abgeordnetenversammlung in Schleswig-Holstein wird ab dem 5. September neu gewählt.

Am KV-Sitz in Bad Segeberg unterscheidet sich manches von dem, was insbesondere in größeren KV-Bereichen in Deutschland üblich ist. So gibt es außer bei den Psychotherapeuten keine arztgruppen-spezifischen Listen. Stattdessen wird auf Kreisebene gewählt, Quoten für einzelne Arztgruppen oder Niederlassungsformen sind nicht vorgesehen.

Die Wahlordnung der Nordlichter leistet mit ihrem Verzicht auf Fachgruppenquoten ihren Beitrag dazu, dass es seltener zu Verteilungskämpfen kommt als Ärzte dies aus anderen Vertreterversammlungen kennen. Das wiederum ermöglicht eine von Respekt gekennzeichnete Diskussionskultur.

Harmoniesüchtig ist man deshalb noch lange nicht, wie der AV-Vorsitzende Dr. Christian Sellschopp beteuert - aber eben "auch nicht auf Krawall gebürstet".

Diese Einstellung kommt auch der Vorstandsarbeit zugute. Dr. Monika Schliffke und Dr. Ralph Ennenbach, deren Wahl von der der Abgeordneten entkoppelt ist, können ohne Störfeuer aus den Reihen der Abgeordneten arbeiten - solange diese zufrieden sind. Dass dies der Fall ist, zeigt die große Zustimmung, die das aktuelle Vorstandsduo in den Versammlungen erfährt.

Schwer verdauliche Vorschriften

Wenn in Bad Segeberg in den vergangenen Jahren etwas lautere Kritik geäußert wurde, dann entweder wegen schwer verdaulicher gesetzlicher Vorschriften wie etwa die Terminservicestellen, oder weil die KBV in Berlin die Ärzte nicht so vertritt, wie es sich die Schleswig-Holsteiner vorstellen.

Insbesondere die Arbeit von KBV-Vorstand Regina Feldmann hat in Bad Segeberg mehrfach für Kopfschütteln und Verärgerung gesorgt - auch hierin waren sich Vorstand und Abgeordnete einig.

In der abgelaufenen Amtsperiode stachen in Schleswig-Holstein insbesondere die Maßnahmen zur flächendeckenden Versorgung heraus. Die Abgeordneten schufen Regeln für die finanzielle Förderung von Ärztezentren in kommunaler Trägerschaft.

Damit ermöglichten sie ein Vorzeigemodell in Büsum, das wie berichtet bundesweit Beachtung findet und voraussichtlich auch kopiert wird. In erster Linie aber hat es dazu geführt, dass die hausärztliche Versorgung der Region in den kommenden Jahrzehnten funktioniert.

Die KV mit der etwas anderen Note

Einer von 60 Kandidaten für die neue AV: Dr. Uwe Bannert, Vize der Abgeordnetenversammlung .

© KVSH

Vorreiter war die KV auch, als sie eine finanzielle Förderung für Praxisnetze beschloss. Der Effekt war beeindruckend. Die zahlreichen Zusammenschlüsse zwischen Nord- und Ostsee schienen wie aus einem Dämmerschlaf erwacht und arbeiten seitdem intensiver an einer engeren Abstimmung in der Versorgung.

Inzwischen erhalten zehn Praxisnetze eine Förderung von jährlich 100.000 Euro und damit den finanziellen Atem, um sich zu professionalisieren. Als es über die Förderkriterien der KV mehrfach kontroverse Diskussionen unter den Abgeordneten gab, bewies die Versammlung, dass Meinungsverschiedenheiten konstruktiv ausgetauscht werden.

Weniger Beachtung unter den Ärzten fanden die Maßnahmen, die mit geringeren Fördermitteln verbunden waren und auch nicht so schnelle Effekte zeigen können. Weniger wichtig sind sie deshalb aber nicht.

Eine neu aufgelegte Imagekampagne für Landärzte etwa spricht Medizinstudenten an und kann erst langfristig Wirkung zeigen. Auch andere Maßnahmen sind lange Dauer angelegt und zielen darauf ab, den medizinischen Nachwuchs auf die Möglichkeiten in der ambulanten Versorgung aufmerksam zu machen.

Wahlkampagne gestartet

Immer wieder hat sich die Abgeordnetenversammlung - oft inspiriert durch den Vorstand - als Mahner verstanden, wenn die Politik in Belange der Selbstverwaltung eingriff. Jüngstes Beispiel war die Kritik aus Bad Segeberg an dem in Berlin geplanten Gesetz zur schärferen Kontrolle der Selbstverwaltung.

Dies berühre eben nicht nur die Bundeskörperschaften, sondern auch die Landes-KVen. Zugleich wissen die Abgeordneten um die begrenzte Wirkung, wenn sie in Resolutionen hierzu Stellung beziehen.

Für Sellschopp darf das kein Grund für Demotivation oder gar Wahlmüdigkeit sein, wie er jüngst im "Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt" sagte: "Wirklich schlimm wäre es, wenn wir durch eine niedrige Wahlbeteiligung demonstrierten, dass uns das ganze nichts angeht."

Damit das nicht passiert, hat die KV schon vor Monaten eine Kampagne gestartet, die alle Mitglieder über die Wahl informiert. Unter www.av-wahl.de stellen alle 60 Kandidaten sich und ihre berufspolitischen Ziele vor,

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