Ärzte Zeitung online, 28.06.2017
 

Kommentar zur GBA-Besetzung

Eine schallende Ohrfeige

Kommentar von Wolfgang van den Bergh

Das wochenlange Personaltheater um die Besetzung der beiden unparteiischen Vize-Vorstandsposten im Gemeinsamen Bundesausschuss hat ein Ende – vorläufig. Der Gesundheitsausschuss des Bundestages hat am Mittwochmorgen beide Kandidaten, Uwe Deh, ehemals Vorstand des AOK-Bundesverbandes, und Lars Lindemann, Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbandes der Fachärzte, abgelehnt. Das ist eine schallende Ohrfeige für die Selbstverwaltung.

Sechs Wochen verbleiben ihr nun, zwei neue Kandidaten zu benennen. Sollte es keine Einigung geben, entscheidet das Ministerium. So weit musste es kommen, weil sich im Laufe der Zeit der Eindruck verfestigte, dass bei der Nominierung Parteizugehörigkeiten, alte und neue Verbindungen und schließlich politisches Kalkül wichtiger waren als Seriosität, Sachkenntnis und Integrität der Personen. Am Ende sind die beschädigt, die abgelehnt worden sind, obwohl sie am wenigsten zu diesem Chaos beigetragen haben.

Nach einer Reihe von Gesetzen, die der Selbstverwaltung schärfere Fesseln anlegt, haben die Parlamentarier erneut ein Signal dafür gesetzt, dass gerade der Gemeinsame Bundesausschuss als mächtigste Institution im Gesundheitswesen ein hohes Maß an Unabhängigkeit garantieren muss.

Lesen Sie dazu auch:
GBA: Bundestag lässt erstmals Kandidaten abblitzen

[29.06.2017, 12:02:45]
Michael Stiehl 
Lobbyisten
Beide Kandidaten sind schon von ihrer vorherigen Tätigkeit her keinesfalls als unabhängig anzusehen. Sie waren Lobbyisten, was primär nicht verwerflich ist. Für die genannten Posten beim GBA sind sie dadurch aber ungeeignet. Dort sollten unabhängige Experten sitzen, die nach belegter Evidenz und im Sinne der Patienten entscheiden! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »