Ärzte Zeitung, 06.07.2017
 

Förderprogramm

Deutsche Krebshilfe investiert in onkologischen Nachwuchs

Mit einem millionenschweren Förderprogramm will die Krebshilfe den Aufbau von onkologischen Nachwuchszentren mit Perspektiven für junge Wissenschaftler fördern.

Von Anne Zegelman

Deutsche Krebshilfe investiert in onkologischen Nachwuchs

Mammografie: Neue Forschungsergebnisse sollen schnell in die Versorgung übernommen werden.

© Tyler Olson/stock.adobe.com

BERLIN. Die Deutsche Krebshilfe sieht eine starke Notwendigkeit, den onkologischen Nachwuchs in Deutschland zu fördern. "Der Mangel an Nachwuchswissenschaftlern droht, die Forschungskultur in der Onkologie in Deutschland aus der Bahn zu werfen", sagte Professor Martin Eilers, Vorsitzender des Fachausschusses "Klinische Forschung", auf der Jahrespressekonferenz am Mittwoch in Berlin. Die Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs sei eine der drängendsten Aufgaben, die keinen weiteren Aufschub vertrage.

Deshalb investiert die Deutsche Krebshilfe nun mit einem Förderprogramm Millionen in den Aufbau von fünf onkologischen Nachwuchszentren, die nach Gründerin Mildred Scheel benannt werden sollen. Fünf medizinische Fakultäten würden jeweils zwei Millionen Euro pro Jahr auf fünf Jahre erhalten, um neue Versorgungsformen zu erforschen, hieß es. "Die vielversprechendsten innovativen Konzepte werden in einem kompetitiven Ausschreibungs- und Begutachtungsverfahren und einem Ideenwettbewerb identifiziert", schreibt die Deutsche Krebshilfe in einem ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier zur Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Brückenschlag geplant

Medizinische Fakultäten, die sich bewerben wollen, sind dazu aufgerufen, bis Anfang August eine Absichtserklärung abgeben. Ende Oktober endet die Einreichungsfrist für Kurzanträge, bis Ende Februar müssen die ausgearbeiteten Anträge vorliegen.

In den neuen Zentren sollen junge Wissenschaftler in interdisziplinären Teams zusammenarbeiten. Dadurch solle der Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung beziehungsweise Anwendung so gestärkt werden, dass Forschungsergebnisse möglichst schnell den Weg in die Versorgung von Krebspatienten finden, so der Plan.

Neben den inhaltlichen Zielen sollen die Mildred-Scheel-Nachwuchszentren langfristige berufliche Perspektiven für klinisch-wissenschaftlich tätige Ärzte und medizinisch tätige Naturwissenschaftler schaffen, bei denen sich auch Familie und Beruf miteinander vereinbaren lassen. Nur so könnten Universitätsklinika auf lange Sicht mit der freien Wirtschaft um exzellente Clinician Scientists und Medical Scientists konkurrieren.

Die berufliche Sicherheit ist in den Augen von Professor Eilers wesentlich dafür, gut forschen zu können. "Die Situation junger Forscher in Deutschland ist – gelinde gesagt – stark verbesserungswürdig und geprägt von Unsicherheit und Unzufriedenheit", sagte er und verwies auf einen Bericht des Wissenschaftsrats.

Demnach waren im Jahr 2010 81,5 Prozent der ärztlichen und 92,3 Prozent der nicht-ärztlichen wissenschaftlichen Mitarbeiter in der Hochschulmedizin nur befristet beschäftigt. "Die logische Konsequenz für viele Betroffene ist, sich vom universitären Betrieb abzuwenden und anderen, weitaus attraktiveren Karrierewegen nachzugehen", so Eilers. Mit den jetzigen Strukturen werde die Zukunftsfähigkeit Deutschlands in einem der wichtigsten medizinischen Felder überhaupt aufs Spiel gesetzt.

Forderungen an die Politik

Die Deutsche Krebshilfe formuliert in ihrem Positionspapier konkrete Forderungen an die Politik.

- Die translationale Krebsforschung muss als interdisziplinäres Fachgebiet fest an den Universitätskliniken verankert werden.

- Neben Professuren müssen langfristige Beschäftigungsmöglichkeiten für Wissenschaftler eingerichtet werden, die als Mitglieder der wissenschaftlichen Kernmannschaft für projekt-unabhängige Kontinuität in Methodologie und Zielsetzung sorgen können.

- Sollte es gelingen, an allen Universitäten Onkologische Profilbereiche zu etablieren, dann würde ein neuer Stellenmarkt entstehen, der den Verlust der besten Clinician Scientists an nicht-universitäre Häuser und der besten Medical Scientists in die Industrie bremsen könnte, so der Plan.

- Wichtig dafür ist vor allem eine nachhaltige Finanzierung. "Die ausschließliche Finanzierung aus kompetitiv vergebenen Projektmitteln gefährdet ihre Nachhaltigkeit und damit ihre Berechenbarkeit als Beschäftigungs-Ziel", warnt die Deutsche Krebshilfe – und fordert deshalb die Wissenschafts- und Gesundheitspolitik dazu auf, adäquate Strukturen zu schaffen und zu finanzieren.

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