Ärzte Zeitung online, 21.12.2017

Westfalen-Lippe

Einigung verringert Honorarabstand zu Kollegen

Die Erhöhung der Honorare um 165 Millionen Euro für 2017 und 2018 verringert in Westfalen-Lippe den Vergütungsabstand zu anderen KV-Regionen. Gleiches Geld für gleiche Leistungen gibt es aber immer noch nicht.

Von Ilse Schlingensiepen

Schritt zur Honorarkonvergenz

Ringen um jeden Euro: Die Honorarverhandlungen in Westfalen-Lippe sind langwierig gewesen.

© nmann77 / Fotolia

KÖLN. Mit dem Honorarabschluss für 2017 und 2018 konnten die niedergelassenen Ärzte in Westfalen-Lippe den Abstand zu den Kollegen in anderen Regionen reduzieren. Das ist für den 2. Vorsitzenden der KV Westfalen-Lippe (KVWL) Dr. Gerhard Nordmann ein zentrales Ergebnis der langwierigen und schwierigen Verhandlungen mit den Krankenkassen.

"Wichtig ist mir, dass wir beim Thema Konvergenz endlich vorangekommen sind und einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan haben", informiert Nordmann die Kollegen in der Mitgliederzeitschrift "KVWL Kompakt". "Zwar ist unsere Forderung, gleiches Geld für gleiche Leistung zu erhalten, damit im Bundesvergleich noch nicht erfüllt, aber es ist uns gelungen, endlich Bewegung in das Thema zu bekommen." Bereits 2015 war der Versuch der damaligen NRW-Landesregierung gescheitert, auf politischem Weg eine Honorarkonvergenz zu befördern.

Plus von 115 Millionen Euro für 2017

Die KVWL und die Kassen hatten sich darauf verständigt, dass sich die Gesamtvergütung in den Jahren 2017 und 2018 in Westfalen-Lippe um 165,8 Millionen Euro erhöht (wir berichteten kurz). Davon entfallen 115,7 Millionen Euro auf 2017. Nach Angaben der KVWL bringen die Anhebung des Orientierungspunktwertes und die regionale Morbiditätsentwicklung ein Plus von 48,7 Millionen Euro. Außerdem fließen erneut fünf Millionen Euro für die Förderung der Praxisnetze.

Die basiswirksame Erhöhung des Aufsatzwertes in 2017, also die Konvergenz, macht 62 Millionen Euro aus. Angesichts der Vereinbarungen in anderen Regionen ist es der KVWL damit offenbar gelungen, den Vergütungsabstand zu anderen KVen merklich zu reduzieren. "Das Ergebnis kann sich sehen lassen", betont denn auch Nordmann. Für das kommende Jahr haben die beiden Seiten einen Anstieg der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung um 44,2 Millionen Euro vereinbart. Außerdem fließen bislang nicht ausgeschöpfte Finanzmittel für den Einsatz nichtärztlicher Praxisassistentinnen in Hausarztpraxen in Höhe von sechs Millionen Euro in die Gesamtvergütung. Sie werden künftig zur Stärkung der hausärztlichen Grundleistungen verwendet, so die KVWL.

Ersatzkassen loben Fairness

Obwohl die Gespräche schwierig waren, habe er die Atmosphäre jederzeit als partnerschaftlich und lösungsorientiert erlebt, so Nordmann. Das sieht auch Dirk Ruiss so, Leiter des Ersatzkassenverbands vdek in Nordrhein-Westfalen und einer der beiden Verhandlungsführer für die Krankenkassen. "Die Verhandlungen waren intensiv und anstrengend, aber immer sachlich und fair", sagt er.

"Uns ist wichtig, dass ein Teil des Geldes gezielt in die Stärkung der ärztlichen Versorgung in den ländlichen Regionen Westfalen-Lippes fließt", kommentiert Ruiss den Abschluss. Dieses Anliegen werde von Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) unterstützt.

[22.12.2017, 10:25:10]
Dr. Jens Wasserberg 
Zementierung der Ungleichheit
Vor über 10 Jahren hat die Politik mit Hilfe eines gewissen Herrn Wasem unsachgemäß eine finanzielle Benachteiligung einiger Regionen festgelegt, in denen die Patienten plötzlich als weniger krnak eingestuft wurden als anderswo. Seit dieser Zeit erhalten die Ärzte dort nun deutlich weniger Honorar für ein und dieselbe Leistung, als sie es in anderen Regionen erhalten. Ein Transfer von ärztlicher Arbeitskraft hin zu dieser Besserstellung war und ist die Folge.
Anstatt nun diese unsachgemäßen Wettbewerbsnachteil aufzuheben, geht der diese Situation verursachende Gesetzesgeber hin, und legt fest, dass die KVen mit den Kassen über eben diese Benachteiligung verhandeln sollen, eben den Kassen, die mit Hilfe der Politik seit Jahren nach Gutsherrenart die Honorarverhandlungen führen.
Über Gerechtigkeit ist schwerlich zu verhandeln : Gleiches Geld für dieselbe Leistung sollte bei einer bundeseinheitlichen Gebührenordnung und bundesweit agierenden Kassen mit Einheitsabgabensätzen im Sinne eines funktionierenden fairen Wettbewerbes logische Voraussetzung sein.
Infam ist es, diese Selbstverständlichkeit zu einer Verhandlungsmasse in einer Schauveranstaltung umzudeuten, bei der der Verursacher dieser Schieflage nicht einmal Verantwortung für seinen unsachgemäßen Wettbewerbseingriff anerkennen will.
Die Zementierung dieser Ungleichheit ist die Folge : Auch wenn WL den Einheitsfallwerten anderer KVen nun ein wenig nähert kommt, so wird die grundsätzliche Ungleichheit mit diesem Procedere zementiert. Gleichzeitig wird die Politik künftig sagen : Den Kven ist es in den von uns ermöglichten 'Verhandlungen' nicht gelungen, ihre Benachteiligung auszugleichen. Selber schuld, also ...

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Weniger Kardiologen = mehr Herztote?

In Bundesländern mit weniger niedergelassenen Kardiologen sterben mehr Patienten an Herzerkrankungen, so der aktuelle Herzbericht. mehr »

Personalmangel in der Pflege gefährdet Patienten

17.18Die Gesundheitspolitik der künftigen Regierung wird einen Schwerpunkt bei Pflege setzen müssen. Davon zeigen sich Fachleute im Vorfeld des Kongress Pflege überzeugt. mehr »

Fehlerquelle Datenschutzerklärung

Die meisten Praxis-Websites von Haus- und Fachärzten erfüllen nicht die gesetzlichen Anforderungen. Das legt eine aktuelle Studie nah. mehr »