Ärzte Zeitung online, 27.12.2017

Nordrhein

Projekt will psychiatrische und psychologische Versorgung verbessern

Die neurologisch-psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung ist in Nordrhein auf dem Vormarsch: Ein ambitioniertes Projekt ist in der Praxis angekommen. Ziel ist eine bessere Akutversorgung.

KÖLN. In Nordrhein hat die Neurologisch-psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung (NPPV) den Schritt von der Theorie in die Praxis geschafft. Seit Anfang Dezember können niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten Teilnehmer in das ambitionierte Projekt zur besseren Versorgung von Patienten mit schweren neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen einschreiben.

"Die Versorgung der Patienten hat begonnen, nachdem wir viele formelle, juristische und bürokratische Hindernisse überwunden haben", sagt Projektleiter Dr. Karlheinz Großgarten von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Ziel der NPPV ist die bessere Akutversorgung der Patienten. Dafür setzen die Initiatoren auf die fachgruppenübergreifende Vernetzung, die Arbeit mit Behandlungspfaden, das Angebot zusätzlicher Leistungen und die Koordination der Versorgung durch einen Bezugsarzt oder -therapeuten. Das Projekt wird durch den Innovationsfonds gefördert, auf Kassenseite sind die AOK Rheinland/Hamburg und der Landesverband Nordwest der Betriebskrankenkassen beteiligt.

"Der Zuspruch von Seiten der Ärzte und Psychotherapeuten ist sehr hoch", berichtet Großgarten. 250 Ärzte und Therapeuten haben ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet. 53 haben bereits einen Vertrag mit der Netzwerkmanagement-Gesellschaft IVP abgeschlossen. Kurz vor Weihnachten waren 75 Patienten eingeschrieben.

Die Patienten reagieren sehr positiv auf das neue Angebot, berichtet Dr. Uwe Meier, zweiter Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Neurologen und Vorsitzender des Spitzenverbands ZNS. "Die Patienten in meiner Praxis, die für die NPPV in Frage kommen, werden sich ausnahmslos einschreiben", erwartet Meier. Er findet es problematisch, dass sich nicht alle Kassen an dem Projekt beteiligen und er die verbesserte Versorgung damit nicht allen Patienten anbieten kann.

Ein Vorteil der NPPV ist, dass den Patienten durch die Vernetzung deutlich mehr Behandlungsangebote offen stehen, auch solche, die über die Regelversorgung hinausgehen. "Die ersten Patienten nutzen schon die zusätzlichen Ressourcen, die wir zur Verfügung stellen können", sagt der Neurologe aus Grevenbroich. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel

Es genügt ein Handy mit Vibrationsfunktion: An den Fuß eines Diabetespatienten gehalten, zeigt es Forschern zuverlässig an, ob dieser an einer peripheren Neuropathie leidet. mehr »

Pflegerat fordert 50.000 Stellen für die Krankenhäuser

Was hat die Pflegepolitik bewirkt? Die Meinungen sind gespalten: Gesundheitsminister Gröhe lobt die Erfolge der Koalition in der Pflegepolitik. Der Pflegerat hält dagegen. mehr »

Die Therapiekünste eines Kung-Fu-Meisters

Ein Kampfsportler stößt mit seinem Gesundheitskonzept bei Medizinern auf Interesse. Ein Arzt ist sogar geneigt, von einem Wunder nach der Therapie durch Chu Tan Cuong zu sprechen. mehr »