Ärzte Zeitung online, 23.01.2018

Bürgerversicherung

Weigeldt warnt – Es gibt weitere Problemfelder!

BERLIN. Der Deutsche Hausärzteverband warnt davor, in der Diskussion um gesundheitspolitische Herausforderungen ausschließlich die Bürgerversicherung in den Fokus zu rücken. "Für die Hausärzte und ihre Patienten gibt es eine Vielzahl weiterer wichtiger Themen, die mindestens genauso entscheidend sind", so der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt in einem Brief an die Mitglieder des Hausärzteverbands.

Weigeldt nennt in diesem Zusammenhang den Masterplan Medizinstudium 2020 und die hausärztliche Nachwuchssicherung. Relevant sei auch die Frage, ob es gelinge, Hausarztverträge als Alternative zum KV-System weiter auszubauen. Der Verbandschef sieht darüber hinaus Handlungsbedarf bei der Frage, wie künftig die Lücke bei der Vergütung zwischen Hausärzten und einigen Facharztgruppen geschlossen werden könnte.

Viele Detailfragen zur konkreten Ausgestaltung der Bürgerversicherung seien bisher ungeklärt, schreibt er weiter: "Deswegen haben wir uns weder für noch gegen eine Bürgerversicherung ausgesprochen." Entscheidend für die Zukunft sei eine vernünftige und faire Finanzierung der Primärversorgung. Weigeldt: "Daran werden wir jede Reform messen. In welchem Versicherungssystem dies am Ende des Tages geschieht, ist dabei zunächst zweitrangig."

Mit Blick auf die künftige Sicherstellung der Primärversorgung erteilt der Verband Modellen, in denen hausärztliche Leistungen durch nichtärztliche Berufe wie etwa "Physician Assistants" substitutiert werden sollen, eine klare Absage. Weigeldt würdigte als Alternative das Verah-Konzept, mit dem Praxismitarbeiterinnen so fortgebildet würden, dass sie Hausärzte gezielt entlasten könnten. (fuh)

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Berufspolitik (19081)
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[24.01.2018, 14:48:08]
Dr. Jürgen Schmidt 
Die Nachwuchsprobleme der Allgemeinärzte haben eine lange Vorgeschichte
Die Nachwuchsprobleme der Allgemeinärzte sind in Wahrheit eine Folge konkurrierender Weiterbildungsgänge. Internisten gibt es genug.

Es gab einen Zeitpunkt, zu dem die damaligen zwei Hausarztverbände, der BPA und der FDA die Weiterbildung der Interbisten als Eingangsqualifikation für den Beruf des Hausarztes akzeptiert hätten. Hindernis für die Internisten war die Forderung des BPA nach einem "Dentistenbeschluss", also eine Aufwertung von praktischen und Allgemeinärzten zu Internisten (inkl Leistungsspektrum). Ungläubige mögen den Kollegen Kossow fragen.

Was der Misere zugrunde liegt, wäre auch fast die Lösung, wenn man den erforderlichen hausärtzlichen Weiterbildungsumfang an den Niederlassungsbereich bindet.
Landärzte müssten zusätzliche Qualifikationen in Chirurgie, Pädiatrie, Ortthopädie erwerben, sollten dann aber auch ein höher4s Einkommen generieren können. Der hausärztliche Internist in der Stadt, der über Fachkollegen um die Ecke verfügt, wäre mit einem zusätzlichen Modul in der Praxis gut ausgestattet.
Sieh, das Gute liegt so nah!
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