Ärzte Zeitung online, 02.05.2018

Hausärztetag

Bayerische Hausärzte wollen ihre Position stärken

Der Hausarzt soll Dreh- und Angelpunkt auch und vor allem auf dem Land sein. Dazu präsentierten die bayerischen Mediziner ihre Forderungen auf dem Hausärztetag.

Von Christina Bauer

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Angeregt diskutierten die Teilnehmer auf dem bayerischen Hausärztetag in Würzburg. Groß auf der Leinwand zu sehen: Der bayerische Hausärzteverbandschef Dr. Dieter Geis.

© Bauer

WÜRZBURG. Die Botschaft war klar: Hausärzte sollen in die Mitte der Versorgung. Mit Blick auf die Landtagswahl am 14. Oktober forderten die bayerischen Hausärztevertreter beim diesjährigen Hausärztetag Ende April in Würzburg klaren Rückhalt für ihre Zunft. Damit haben sie gute Karten in Bayern, denn hier sitzen an vielen Schaltstellen Hausärzte an den Hebeln: Dr. Gerald Quitterer ist Präsident der Ärztekammer, Dr. Wolfgang Krombholz ist Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Melanie Huml (CSU) amtiert als Gesundheits- und Pflegeministerin.

In einem Videogrußwort sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Rückhalt zu: "Ohne die bayerischen Hausärztinnen und Hausärzte wäre die ärztliche Versorgung auf dem Land schlecht." Daher solle in Bayern demnächst nicht nur eine Landarztquote etabliert werden, sondern dazu eine Landarztprämie. Zu Höhe und Beginn äußerte sich Söder nicht.

Extra-Geld für Lehrpraxen

Hausärzteverbandschef Dr. Dieter Geis forderte, es müsse weiter intensiv darauf hingewirkt werden, junge Ärzte in die Praxen zu bringen – , vor allem auf dem Land. Entsprechend müssten Ausbildung und Weiterbildung gestaltet werden. "Wir fordern unbedingt die Umsetzung des Masterplans 2020", so Geis. Er betonte, die Politik müsse die unbeantwortete Frage der Finanzierung zügig klären. Zudem forderte er Extra-Geld für Lehrpraxen, die PJ-Studierende ausbilden, und mehr Medizinstudienplätze für bayerische Hochschulen.

Der in Bayern schon eingeschlagene Weg zu Allgemeinmedizin-Lehrstühlen an allen Medizinfakultäten müsse fortgesetzt werden. Nach zwei Lehrstühlen in München und je einem in Erlangen-Nürnberg, Augsburg und Würzburg müsse das für Regensburg ebenfalls bald gelingen. Verbandsvize Dr. Jakob Berger betonte, in Augsburg, wo derzeit die Medizinische Fakultät neu entsteht, solle die Allgemeinmedizin sofort in den Mittelpunkt rücken. "Ich denke, dass eine solche Fakultät hauptsächlich der Ausbildung von Ärzten für die Versorgung dienen soll", sagte Berger. Er kritisierte, dass von 2019 an Medizingeschichte gelehrt werden solle, für Allgemeinmedizin aber 2022 als Start angesetzt wurde. Erst nach Kritik des Verbandes sei nun 2020 im Gespräch. Der Verband aber fordere weiterhin den Beginn vom ersten Tag an: Allgemeinärzte sollten die Fakultät von Grund auf mitgestalten. Die Politik solle das in einem Nachtragshaushalt für den Doppelhaushalt 2019/2020 nachverhandeln.

Studenten müssten früh für Hausarztmedizin begeistert werden. Die Verbandsstiftung fördere daher nun PJ-Tertiale in Hausarztpraxen, Studierende mit 2400 Euro, Praxen mit 1600 Euro. Bisher gebe es 34 Förderungen, erste Absolventen seien in Weiterbildung. Das Famulaturförderprojekt in Kooperation mit der Techniker Kasse werde fortgesetzt. Der Fortbildungsbeauftragte des Verbands, Dr. Ernst Engelmayr, hob das im Jahr 2017 formierte "Kompetenzzentrum Weiterbildung" hervor. Es verknüpft mit staatlicher Förderung die Koordinierungsstelle für Allgemeinmedizin von Ärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung und Hausärzteverband, und mehrere Unis.

Votum für Hausarztverträge

Rückhalt forderte der Verband für die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) mit zentraler Rolle des Hausarztes und höheren Kassenvergütungen. Ihre gesetzliche Festschreibung zähle bis heute zu den größten Verbandserfolgen. "Das ist die wirtschaftliche Basis, auf der wir heute existieren", so Geis. Politische Zustimmung zeichnet sich ab. "Hausarztverträge setzen Maßstäbe bei Service und Patientenzufriedenheit und werten die hausärztliche Versorgung weiter auf", sagte Gesundheitsministerin Huml. "Wir haben einen relativ hohen qualitativen Standard in der HzV erreicht", so der HzV-Beauftragte Dr. Jürgen Büttner. Palliativmedizin und Geriatrie seien inzwischen gut abgebildet. Mit den Kassen müsse mehr Einheitlichkeit in den Verträgen verhandelt werden, die es bisher nur teilweise gebe. Vereinfacht werden müsse die Weitergabe von HzV-Praxen. Statt jeden Patienten einzeln schriftlich erneut zustimmen zu lassen, solle eine geregelte Praxisübergabe etabliert werden.

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