Hausärztliche Versorgung

Landarztquote in Bayern: "Wer einmal da ist, bleibt auch!"

Beim Bayerischen Hausärztetag diskutierten Hausärzte- und Politiker darüber, welche Maßnahmen eher junge Ärzte aufs Land bringen können. Konträr diskutiert wird vor allem die Landarztquote.

Von Christina Bauer Veröffentlicht:
Landidylle vor der Praxis: Hilft die Landarztquote, junge Ärzte zur Arbeit außerhalb der Städte zu bewegen? Marco2811 / Fotolia

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Unterschleissheim. Rettet eine Landarztquote die ambulante Versorgung vor dem Niedergang? Dazu gab es jüngst bei einer Podiumsdiskussion beim Bayerischen Hausärztetag gegensätzliche Ansichten.

Der Bundestagsabgeordnete Reiner Meier (CSU) sprach sich für die Nutzung dieser Möglichkeit aus. Diese wurde mit dem nun beschlossenen Masterplan Medizinstudium 2020 bundesweit geschaffen. In Bayern, so Meier, gebe es eine ähnliche Art der Förderung schon jetzt. Bisher hätten sich 120 Studierende verpflichtet, nach Studienende ihre Weiterbildung auf dem Land zu absolvieren und mindestens weitere fünf Jahre dort zu arbeiten. "Wer dann mal auf dem Land ist, das Leben dort zu schätzen weiß und einen Patientenstamm hat, überlegt sich zwei Mal, ob er zurück in die Stadt geht", so Meier.

Jungen Leuten entgegenkommen

Die Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner (SPD) erwartet von einer Landarztquote dagegen keine Erfolge. Man könne niemanden aufs Land zwingen, betonte sie. Junge Ärzte bevorzugten das Leben in Städten, Kooperationsmöglichkeiten und oft auch Teilzeitarbeit. Dem müsse man entgegenkommen. Die Residenzpflicht sei daher schon abgeschafft worden.

Zudem müssten geeignete Arbeitsformen ermöglicht werden. Das frühere Modell des rund um die Uhr verfügbaren Landarztes sei nicht mehr zeitgemäß. "Die Versorgung in einem MVZ auf dem Land wird das sein, wo Ärzte arbeiten wollen", sagte Sonnenholzner. Studienplätze einzutauschen gegen die Verpflichtung, später für mindestens fünf Jahre auf dem Land zu arbeiten, sei der falsche Weg.

Auf intrinsische Motivation setzen

Auch der grüne Landtagsabgeordnete Ulrich Leiner bezweifelte, ob eine solche Verpflichtung durchsetzbar sei. Es sei erfolgversprechender, wenn man auf die intrinsische Motivation zur Tätigkeit auf dem Land setze.

Hausärzteverbands-Chef Dr. Dieter Geis verwies auf aktuelle Projekte des Verbandes. Die Famulaturförderung soll Studenten einen Einblick in die hausärztliche Arbeit vermitteln. Seit 2016 fördert die Verbandsstiftung zudem Studenten, die ihr PJ-Wahltertial in der Allgemeinmedizin absolvieren. Bisher haben 18 Studierende dieses Angebot genutzt.

"Das ist sicher effektiv, da es am Ende des Studiums ist, wo ein Student manche Entscheidung womöglich noch treffen will", konstatierte Geis. Es sei wichtig, angehenden Ärzten schon im Studium die Bedeutung und Vielfalt der Allgemeinmedizin näherzubringen. Das gelte gerade auch gegenüber anderen fachärztlichen Spezialisierungen, die, so Geis, derzeit weit weniger benötigt würden.

Zugleich müssten die Einkommensmöglichkeiten von Hausärzten weiter verbessert werden. Die hausarztzentrierte Versorgung (HzV) sei neben der KVB-Vergütung schon jetzt eine wichtige Säule für das Einkommen der Hausärzte in Bayern. Hier wäre es sinnvoll, wenn sich weitere Patienten einschreiben würden. "Da erwarte ich von der Regierung noch stärkere Unterstützung." Vorstellbar sei etwa, so Geis, HzV-Teilnehmern die Rezeptgebühr zu erlassen, oder ein ähnlicher finanzieller Anreiz. Eine zentrale Funktion der Hausärzte als erste Anlaufstelle und Koordinator im Gesundheitswesen entlaste auch die Krankenkassen.

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