Ärzte Zeitung online, 25.07.2018

Terminservicestellen

Zwei Euro für einen Termin

Kommentar von Anke Thomas

anke.thomas

Schreiben Sie der Autorin anke.thomas@springer.com

Damit Patienten schneller einen Termin beim Facharzt erhalten, sollen Hausärzte für die Terminvermittlung entlohnt werden. So erhofft sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Patienten lange Wartezeiten zu ersparen und hat das auch im Referentenentwurf zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) verankert.

Ärzte, die sich jetzt auf einen ansehnlichen Extra-Obulus freuen, dürften erst mal enttäuscht sein. Bis es eine Regelung im EBM gibt, so heißt es im TSVG-Entwurf, sollen Hausärzte einen Kleckerbetrag von zwei Euro für die Vermittlung abrechnen dürfen.

Attraktiver für Haus- und Fachärzte stellt sich das Konzept der Überweisungssteuerung der KV Thüringen (KVT) dar, bei denen Kassen mit im Boot sind. Wird ein Termin am nächsten Tag beim Facharzt realisiert, erhalten Haus- und Fachärzte für die Vermittlung sechs Euro, der terminanbietende Facharzt 16 Euro. Reicht ein Termin innerhalb einer Woche, erhält der überweisende Arzt fünf Euro, der übernehmende Arzt 12 Euro.

Dass das Konzept besser als die Terminservicestellen (TSS) funktioniert, beweisen Zahlen der KVT: 2017 wurden über die Überweisungssteuerung 47.379 Termine vermittelt, über die TSS 4972. Hier folgt das Geld eben eher der Leistung.

Lesen Sie dazu auch:
Versorgungsgesetz: Jens Spahn schafft Freiräume für die KVen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[26.07.2018, 14:28:49]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Haste mal 'nen Euro"?
Welche abenteuerlichen Vorstellungen über die inhaltlich-koordinativen Leistungen spezifisch hausärztlicher Provenienz im Bundesgesundheitsministerium existieren, wird an lächerlichen 2 Euros deutlich, die für die qualifizierte Weiterleitung an einen Facharzt aufgerufen werden sollen.

Dafür gibt es keine einzige Gebührenordnungsposition bei qualifizierten, koordinierenden Leistungen von Architekten, Apothekern, Zahnärzten, Heilpraktikern, Rechtsanwälten und Notaren, die mit 2 Euros berechnet wird, außer vielleicht Portokosten!

Beim ärztlichen Medikationsplan werden wir Haus- und Familien-Mediziner übrigens regelhaft mit einem fiktiven Euro abgespeist, weil dieser bei chronisch Kranken mit Multimedikation in den EBM-GOP (Gebührenordnungs-Positionen des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs) 03220 und 03221 nie auch nur einmal im Quartal abgerechnet werden kann.

Und die GOP 03221 als der "Zuschlag zu der Gebührenordnungsposition 03220 für die intensive Behandlung und Betreuung eines Patienten mit mindestens einer lebensverändernden chronischen Erkrankung" und geforderte: "Mindestens zwei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte, Überprüfung und/oder Anpassung und/oder Einleitung von Maßnahmen der leitliniengestützten Behandlung der chronischen Erkrankung(en)..." erbringt auch nur "Gesamt (Punkte) 40 - Gesamt (Euro) 4,26"!

Da kann man sich als Hausärztin/Hausarzt ja auch gleich neben einen Straßenmusikanten stellen und fragen:
"Haste mal 'nen Euro"?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Ein Gelähmter kann wieder gehen

Ein querschnittsgelähmter Mann kann wieder einige Schritte gehen - dank der elektrischen Rückenmark-Stimulation. Von Heilung wollen die Ärzte aber nicht sprechen. mehr »

OTC-Gebrauch verfälscht Laborwerte

Die meisten Patienten nehmen gelegentlich freiverkäufliche Arzneimittel ein. Nur wenige legen das gegenüber ihrem Arzt offen. Das hat Folgen, etwa für die Interpretation von Laborergebnissen. mehr »