Ärzte Zeitung online, 07.08.2018

Forderung der CDU

Milliarden-Vergütungsplus für Physiotherapeuten? BMG winkt ab

Der CDU-Politiker Kühne bringt ein Programm für eine massive Honoraraufstockung bei Physiotherapeuten und Anderen ins Spiel. Das Bundesgesundheitsministerium zeigt sich skeptisch.

Von Florian Staeck

Milliarden-Vergütungsplus für Physiotherapeuten? BMG winkt ab

Nicht viel drin: Physiotherapeuten in der ambulanten Versorgung verdienen selten mehr als 2200 Euro im Monat.

© picture-alliance / Stephan Persc

BERLIN. Die Bundesagentur für Arbeit hat in einer Analyse erstmals Physiotherapeuten bundesweit auf die Liste der Mangel-Berufe gesetzt. Einer der mutmaßlichen Gründe: unattraktive Gehälter. Therapeuten in der ambulanten Versorgung kommen in Vollzeit selten auf mehr als 2200 Euro im Monat.

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Aus der Unionsfraktion im Bundestag kommt jetzt der Ruf zum Gegensteuern. Dr. Roy Kühne, Berichterstatter für Heil- und Hilfsmittelversorgung und nicht-ärztliche Therapieberufe, fordert ein massives Vergütungsplus von 28 Prozent, das entspricht rund 1,8 Milliarden Euro. Diese deutliche Erhöhung sei "sofort" erforderlich, um "ein Abwandern der Therapeuten in die stationäre Versorgung zu verhindern", heißt es in Kühnes "Sofortprogramm Therapieberufe", das der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Kühne ist ausgebildeter Physiotherapeut und betreibt ein Gesundheitszentrum mit 15 Mitarbeitern im südniedersächsischen Northeim.

Therapeuten in freier Niederlassung kämen im Schnitt auf ein Jahreseinkommen von 25.000 Euro, so Kühne. Der Umsatz einer Therapiestunde liege bei 32 Euro brutto. Die Gehälter von Therapeuten mit vergleichbarer Qualifikation in Krankenhäusern rangierten dagegen um bis zu 60 Prozent höher.

Vergütung von Therapeuten im Fokus

  • Physiotherapeuten verdienen laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit zwischen 1730 und 2359 Euro brutto pro Monat. Für Ergotherapeuten beträgt der Durchschnittswert 2377 Euro, für Logopäden 2273 Euro.
  • Als "angemessenen Lohn" in der Heilmittelversorgung gibt der CDU-Abgeordnete Roy Kühne 3250 Euro an. Das ist vergleichbar der Vergütung von MTA oder Krankenschwestern. Nötig dafür wäre nach seinen Angaben ein Vergütungsplus von 28 Prozent oder 1,8 Milliarden Euro.

Ein Problem für Kühne dürfte sein, dass sein Vorstoß im Bundesgesundheitsministerium auf wenig Gegenliebe stößt. In einem BMG-Papier, das für die Arbeitsgruppe Gesundheit der Unionsfraktion erstellt wurde, heißt es: "Für ein Sofortprogramm wird angesichts des deutlichen Anstiegs der GKV-Ausgaben für diesen Leistungsbereich kein Anlass gesehen." Auch Belege für eine signifikante Abwanderung von Therapeuten in die Kliniken sieht das BMG nicht.

Tatsächlich bringt das Heil- und Hilfsmittelversorgungs-Stärkungsgesetz (HHVG) für die Jahre 2017 bis 2019 den Therapeuten bereits einen Vergütungsschub von bis zu 32 Prozent. Doch das reicht aus Sicht von Kühne nicht. Dieses Plus könne "20 Jahre unterproportionaler Honorarentwicklung nicht kompensieren". Denn bis 2016 war die Vergütung bei den Therapeuten an die Entwicklung der Grundlohnsumme gekoppelt. Durch das HHVG ist der Honorardeckel für zunächst drei Jahre bis 2019 gelüftet worden. Doch das Thema Vergütung ist längst in der BMG-Spitze angekommen. Am 13. September hat Jens Spahn (CDU) Therapeuten-Verbände zum Gespräch geladen.

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