Ärzte Zeitung, 22.10.2009

Lebenserwartung differiert in Europa um 14 Jahre

STRAßBURG (spe). Trotz einer allgemein gestiegenen Lebenserwartung bestehen in der EU nach wie vor zum Teil große Unterschiede bei der Gesundheit der Bevölkerung. Dies gilt sowohl zwischen den EU-Staaten als auch innerhalb einzelner Nationen.

Die Gründe für die Ungleichheiten sind einer aktuellen Analyse der Behörde zufolge vielfältig. Unterschiede im gesundheitsbewussten Verhalten, im Einkommen und in der Bildung spielen dabei ebenso eine Rolle, wie die Lebens- und Arbeitsbedingungen und der Zugang zu medizinischen Leistungen.

Dabei gilt die Faustformel, je ärmer die Menschen und je geringer ihr Bildungsstand, desto höher das Risiko eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs zu bekommen. So kann die Differenz an gesunden Lebensjahren innerhalb der EU dabei bis zu 20 Jahre betragen (Estland: 48 Jahre; Dänemark: 68,5 Jahre).

Entsprechend groß sind die Unterschiede in der Lebenserwartung. Frauen in Frankreich, Italien oder Spanien beispielsweise leben im Schnitt acht Jahre länger als ihre Geschlechtsgenossinnen in Bulgarien, Lettland oder Litauen. Bei Männern kann der Unterschied bis zu vierzehn Jahre betragen. Deutschland liegt mit einer Lebenserwartung von rund 78 Jahren bei Männern und 82 Jahren bei Frauen im oberen Drittel.

Aus dem Bericht geht gleichwohl hervor, dass Wohlstand allein die Unterschiede nicht auflösen kann. "Um die Ungleichheiten in der EU beseitigen zu können, benötigen wir übergreifende Ansätze auf europäischer, nationaler, regionaler und lokaler Ebene", sagte Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou bei der Vorstellung des Kommissionsberichts. Beschäftigungskommissar Vladimir Spidla betonte, dass das Hauptaugenmerk den sozial schwächsten Gesellschaftsmitgliedern gelten müsse.

Zu einer Verbesserung beitragen könnten beispielsweise Rauchverbote, gezielte Impfaktionen bei Kindern aus niedrigeren sozialen Schichten, die Anreicherung von Trinkwasser mit Fluor und eine verbesserte betriebliche Arbeitsorganisation. Die EU wiederum könne zum Abbau der Ungleichheiten beitragen, indem sie Finanzierungshilfen leistet, Statistiken erstellt und die Mitgliedstaaten bei ihrem Erfahrungsaustausch unterstützt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Europa könnte Katalysator sein

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