Ärzte Zeitung, 09.11.2011
 

Deutsche Ärzte oft unerreichbar

Sind deutsche Ärzte Eigenbrötler und Kommunikationsmuffel? So liest sich zumindest eine Studie von US-Experten. Sie kritisieren: Die Ärzte in der Bundesrepublik gehen zu selten ans Telefon.

Deutsche Ärzte gehen selten ans Telefon

Arzt am Telefonapparat: Laut einer US-Umfrage ein seltenes Bild.

© ISO K° - photography / fotolia.com

NEW YORK (dpa). Chronisch und schwerkranke Patienten werden einer Umfrage nach in Deutschland und zehn anderen westlichen Ländern nicht optimal versorgt.

In der deutschen Praxis mangele es am Austausch von Informationen zwischen den betreuenden Ärzten eines Patienten, teilte die Stiftung Commonwealth Fund am Mittwoch in New York mit.

Die USA belasteten Kranke mit zu hohen Kosten. Die Besten im internationalen Vergleich sind der Analyse nach Großbritannien und die Schweiz.

Gut: Entlastung chronisch Kranker

Die von der Commonwealth-Stiftung geförderte Studie basiert auf der Befragung von Patienten in acht europäischen Ländern, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland.

Das deutsche Gesundheitssystem punktete mit seiner Entlastung chronisch kranker Patienten bei der finanziellen Selbstbeteiligung etwa im Krankenhaus.

Dagegen liegt die Republik mit der ärztlichen Betreuung außerhalb der Hauptgeschäftszeiten im internationalen Vergleich auf einem der hinteren Ränge.

Schlecht: Telefonische Erreichbarkeit

Deutsche Ärzte sind dem Umfrageergebnis nach auch schwerer telefonisch erreichbar als ihre Kollegen in anderen Ländern.

Außer in der Schweiz und Großbritannien beklagen sich Patienten überall, zu wenig an der Entscheidung über ihre Behandlung beteiligt zu werden.

Eine andere weit verbreitete Sorge: Ärzte überprüfen nicht regelmäßig, ob die Medikamente, die sie verordnen, noch erforderlich und wirksam sind. Schweden und Frankreich ernten Lob für ihre neuen Spezialzentren für Krebskranke und Patienten nach einem Herzinfarkt.

Informierte Hausärzte machen es besser

Die Autoren der Umfrage kommen zu dem Schluss, dass Hausarztpraxen, die zugänglich und über die Bedürfnisse ihrer Patienten gut informiert sind, das Risiko medizinischer Fehler sowie doppelt und dreifach verordneter Tests am ehesten vermeiden.

Wichtig sei auch, dass die Praxen die Einbindung von Fachärzten in die Behandlung koordinieren und ständig im Blick behalten.

Da sich die Handhabung von Land zu Land teils stark unterscheidet, empfiehlt die Stiftung allen Beteiligten, voneinander zu lernen. Reformen könnten Wunder wirken, wie das Beispiel Großbritannien zeige.

Schließlich gehe es nicht nur darum, den Betroffenen optimal zu helfen, sondern ihre Versorgung auch möglichst kosteneffizient zu gestalten.

[10.11.2011, 17:53:48]
Dr. Edgar Remmel 
Bei budgetierter Honorierung ist eine budgetierte Leistung zwangsläufig
.. der Patient ist eben doch kein Kunde sondern letztlich ein Empfänger von Sozialleitungen die budgetiert sind.
Eine freiberuflich ausgerichtete Versogungsstruktur kann bei Dumpingpreisen keine zusätzliche Serviceleistung anbieten. (Siehe Schlecker, Aldi etc.).
Nur wenn man die Randbedingungen vergleicht (Honorierung der Ärzte in England und Amerika etc.) kann man vergleich Anstellen.
Vielleicht wäre ein Mischsystem befriedigend. Der Arzt ist auch außerhalb der Sprechstunden über eine kostenpflichtige Nummer für 2 bis 3 Euro pro Minute erreichbar. Das entspricht den Kosten die man in der Regel für eine Hotline für Computerreparierer zahlen muss.

Privatpatienten haben in der Regel die Privatnummer, deren Honorarzahlungen sind aber auch nicht budgetiert. zum Beitrag »
[10.11.2011, 13:25:33]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"It's a Long Way to Tipperary"
Auch wenn ich immer versuche, meine Patienten und mich selbst realistisch einzuschätzen: Eine US-Amerikanische P a t i e n t e n - Befragung zu Qualität, telefonischer Erreichbarkeit, Medikamenten - Compliance bzw. Haus- und Facharztvernetzung international und nicht nur in Deutschland durchzuführen, ist an Hybris und Selbstüberschätzung kaum zu übertreffen. Die deutschen 18 Patientenkontakte pro Jahr als Durchschnittswert waren den Forschern offensichtlich völlig verborgen geblieben. In meiner Fachgruppe der haus- und familienorientierten Allgemeinmedizinpraxen wird diese Kontaktfrequenz noch weit übertroffen. Und in den USA, dem Land der weiten Wege (siehe Titel) wäre diese Frequenz nicht realisierbar, d e s w e g e n werden die Ärzte dort häufiger angerufen.

Echt putzig, der Vergleich mit dem Nationalen Gesundheitsdienst NHS im britischen Königreich. Dort gibt es von den Äußeren Hebriden über Nordirland, Schottland, Wales, den Midlands und von London bis Land' s End ein flächendeckendes System von Gemeindekrankenschwestern, die für primärärztliche Fragen telefonisch erreichbar sind, damit Ärzte sich auf Gebiete ihrer eigentlichen Kernkompetenzen konzentrieren können. Auf einer Hebriden-Insel wurde einmal ein Hausarztsitz im NHS ausgeschrieben: Für ganze 80 Einwohner! Die dortigen Fischer und Farmer wollen bestimmt 1 x tgl. von ihrem Arzt angerufen werden?

Mf+kG, Dr.med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[09.11.2011, 17:59:26]
Dr. Frank-Uwe Fuchs 
statistischer Quatsch
Wie immer Vergleiche von Äpfel und Birne.
Erst wenn die Arbeitsleistung betrachtet wird, also Anzahl der Behandelten *Aufwand je Behandeltem durch Verdienst, können die Länder miteinander vergleichen. Alles Andere ist eben Statistik.
Der deutsche Hausarzt arbeitet am längsten, hat mit Abstand sie häufigtsen Patinetenkontakte und wieder mit Abstand den niedrigsten Verdienst.
Also liebe Statistiker nicht aufregen sondern Danken jedem einzelnem 3x täglich. zum Beitrag »

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