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Ärzte Zeitung online, 09.08.2012

Österreich

Ärztemangel bald im Alpenland?

Gibt es genügend Ärzte in Österreich? Ein neue Studie zeigt: Viele Uni-Absolventen verlassen das Land, die Schere zwischen Angebot und Bedarf an Ärzten könnte bereits in den nächsten Jahren immer weiter auseinanderklaffen.

Bald auch Ärztemangel in Österreich?

Die Flagge weht: Und was wird aus dem Ärztenachwuchs?

© DeVIce / fotolia.com

WIEN (eb). In Österreich ist die Zahl, der Ärzte zwischen 1960 bis 2010 um 257 Prozent angestiegen. Bei Fachärzten kam es dabei zu einem stärkeren Anstieg (plus 470 Prozent) als bei Allgemeinmedizinern (plus 115 Prozent).

Seit dem Jahr 2000 ist die Gesamtzahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Österreich um 30 Prozent gestiegen, wie sich aus einer Pressemitteilung der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK) ergibt Doch die Zahlen könnten trügerisch sein.

Erstmals wurde im Auftrag des Gesundheitsministeriums und des Wissenschaftsministeriums in Kooperation mit der Ärztekammer, in einer gemeinsamen Studie der künftige Bedarf an Ärztinnen und Ärzten bis 2030 voraus geschätzt.

Die vor kurzem vorgelegte Studie "Ärztinnen und Ärzte: Bedarf und Ausbildungsstellen 2010 bis 2030" wurde von der Gesundheit Österreich GmbH erstellt.

Sie beinhaltet sowohl den Ist-Stand der Ärzteversorgung, als auch eine Prognose bis 2030 und entsprechende Empfehlungen.

Das künftige Angebot wird vor allem von den in den kommenden Jahren bevorstehenden Pensionierungen geprägt sein.

Dem gegenüber stehen die insbesondere durch das Abwanderungsverhalten der Medizinstudentinnen und -studenten geprägten Absolventenprognosen sowie die Anzahl jener Ärzte, die - ausgehend von der Prämisse gleich bleibender Ausbildungskapazitäten - jährlich ihre postpromotionelle Ausbildung abschließen.

Bereits jetzt verlässt ein Teil der Medizin-Universitätsabsolventinnen das Land - vor allem nach Deutschland und in die Schweiz.

Um den medizinischen Nachwuchs in Österreich zu sichern, wird daher als zentrale Aufgabe erkannt, die Absolventen der Medizin-Universitäten auch in den Arbeitsmarkt der Alpenrepublik zu bringen.

Für Artur Wechselberger, Präsident der ÖAK, bestätige die Studie jahrelange Warnungen der Kammer.

"Auch wenn die beiden vorliegenden Berechnungsmodelle eine große Bandbreite aufweisen, zeigen doch beide, dass es nicht fünf, sondern zwei vor Zwölf ist. Die Gesundheitspolitik hat noch etwa 15 Jahre Zeit, das Ruder herumzureißen. Das sind nicht einmal zwei vollständige Mediziner-Ausbildungszyklen", sagte er. der Meldung zufolge.

Im besten Fall, so die Studie, wäre der Mangel an Fachärzten und Allgemeinmedizinern erst in etwas mehr als zehn Jahren österreichweit und fächerübergreifend spürbar.

Im zweiten, ebenso realistischen Szenario ginge die Schere zwischen Angebot und Bedarf an Ärzten bereits in den nächsten Jahren auf. Spätestens 2030 wäre dann die ärztliche Versorgung der Bevölkerung auf Basis des heutigen Niveaus nicht mehr gesichert.

Regional und fachspezifisch klafften allerdings schon heute große Lücken, erklärte der ÖÄK-Präsident. Viele Landgemeinden müssten längst ohne niedergelassene Ärzte auskommen und sogar in den Landeshauptstädten blieben Kassenstellen unbesetzt.

Unabdingbar sei daher für Wechselberger die Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Mediziner.

Das betreffe erstens die Sicherstellung der verpflichtenden einjährigen Lehrpraxis sowie den sinnvollen Einsatz von Turnusärzten, der sich auf die ärztlichen Ausbildungserfordernisse konzentrieren müsse.

Zweitens müssten die Arbeitszeitgesetze im Spital strikt eingehalten werden oder brauche man ein praktikables Gruppenpraxengesetz, das den niedergelassenen Ärzten flexiblere Arbeitszeitmodelle ermögliche.

Drittens sei eine leistungsgerechte Entlohnung unabdingbar. "Es kann nicht sein, dass ein Spitalsarzt, der nach langer universitärer Ausbildung die Verantwortung für Leben und Tod trägt, nur durch enorme Überstunden einen halbwegs angemessenen Verdienst erreicht. Oder dass eine Allgemeinmedizinerin mit Gebietskrankenkassen-Vertrag heute so viel verdient wie vor fünfzehn Jahren, dabei aber immer mehr Ältere und chronisch Kranke versorgt, die umfassende Betreuung brauchen", erklärte der ÖÄK-Präsident.

Und schließlich müsse man beim Bürokratieabbau endlich Nägel mit Köpfen machen, damitÄrzte wieder ihre Kernaufgaben erfüllen könnten, so Wechselberger.

www.goeg.at

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