Ärzte Zeitung App, 14.08.2014

Großbritannien

Hausärzte wehren sich gegen Ampelsystem

Britische Regierung plant, Allgemeinmediziner nach einem Ampelsystem zu bewerten.

LONDON. Umstrittene Aktion in Großbritannien: Hausärzte sollen nach einem Ampelsystem bewertet werden, wenn es darum geht, wie sie ältere Patienten behandeln. Geriater sind empört, Hausärzte überlegen, zu protestieren.

Die Idee des Londoner Gesundheitsministeriums ist nicht neu. Unter der Überschrift "Mehr Transparenz ins staatliche Gesundheitswesen" sollen die knapp 40.000 in England praktizierenden Hausärzte danach bewertet werden, wie sie ältere Patienten hausärztlich versorgen. Schottland, Wales und Nord-Irland wollen dabei zunächst nicht mitmachen.

Konkret schwebt Gesundheitsminister Jeremy Hunt "ein Ampelsystem" vor: Rot für Hausärzte, die schlecht behandeln; Orange für Ärzte, bei denen es Verbesserungsbedarf gibt; Grün für solche Ärzte, die geriatrische Patienten "vorzüglich behandeln".

Die Ergebnisse dieser Bewertung - nach neuen vom Londoner Gesundheitsministerium festgelegten Maßstäben - sollen dann im Internet für Patienten abrufbar sein.

Grün, orange, rot

Solche Hausärzte, die nach Ansicht des Gesundheitsministeriums zum Beispiel zu viele ältere Patienten als Notfälle in ein Krankenhaus überweisen, erhalten mehr oder weniger automatisch ein rotes Signal. Das signalisiert den Patienten, der Arzt ist schlechter als sein Kollege, der eine orange oder grüne Bewertung erhielt.

"Ich möchte erreichen, dass ältere Patienten bessere Informationen über die hausärztliche Versorgungsqualität erhalten", so Gesundheitsminister Hunt.

Und: "Es gibt viel zu große Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Primärarztpraxen. Das ist schlecht und könnte durch mehr Transparenz abgeschafft werden."

Berufsverbände sind skeptisch. "Ein Ampelsystem ist zu grob und simplistisch, um die medizinische Versorgungsqualität in einer Praxis zu evaluieren", so eine Sprecherin des Royal College of General Practitioners (RCGP). "Da können leicht ungerechte und falsche Bewertungen entstehen."

Das wiederum liege nicht im Interesse der Patienten, da das auf Vertrauen basierende Arzt-Patienten-Verhältnis schnell leide. (ast)

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