Ärzte Zeitung online, 02.09.2015

Ben Carson

Neurochirurg will US-Präsident werden

Ben Carson ist als Arzt in den USA extrem populär - in der Politik aber ein echter Newcomer. Im Wahlkampf fällt er durch markige Sprüche auf.

BERLIN. Er gilt als Liebling der erzkonservativen Tea-Party und würde Barack Obamas Gesundheitsreform im Fall eines Wahlsieges plattmachen: Der Neurochirurg Ben Carson (63), in der Politik ein bisher vollkommen unbeschriebenes Blatt, möchte als Kandidat der Republikaner neuer Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Carson hat sich weltweit einen Namen als Leiter von Medizinerteams gemacht, die siamesische Zwillinge trennen. Er stammt aus den Ghettos von Detroit, studierte Medizin und machte danach eine ungewöhnliche Karriere: Bereits 1984 wurden der Arzt zum Direktor der pädiatrischen Neurochirurgie des Johns Hopkins Hospital in Baltimore ernannt.

Mehr individuelle Freiheiten - weniger staatliche Eingriffe im Versorgungssystem, darauf kommt es aus Sicht von Carson an, um das US-Gesundheitwesen nicht vollkommen aus dem Ruder laufen zu lassen.

In den USA seit langem erprobte Health Savings Accounts (HSAs) - individuelle Absicherungen des Krankheitsrisikos durch Bildung von Rücklagen - sind aus seiner Sicht geeignet, die Herausforderungen des US-Gesundheitssystems in den Griff zu bekommen. "HSA ermöglichen Familien, eigene Entscheidungen mit Blick auf ihre medizinische Versorgung zu treffen", sagt der Kandidat.

"Sie senken Kosten im Gesundheitswesen, weil sie die Unabhängigkeit der Patienten und Wahlfreiheit schützen." Nicht zuletzt weil er sich immer wieder extrem harsch über Barack Obamas Gesundheitsreform geäußert hat, ist der Afroamerikaner zum Liebling der konservativen Tea Party geworden.

"Ich bin überzeugt, dass Obamacare wirklich die schlimmste Sache ist, die diese Nation seit der Sklaverei ertragen muss. Und in gewisse Weise handelt es sich um Sklaverei, weil die Reform uns alle zu Untertanen der Regierung macht", wettert Carson. Noch ist unklar, wie groß seine Chancen tatsächlich sind, ins Weiße Haus einzuziehen. (fuh)

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