Ärzte Zeitung online, 12.01.2016
 

Arbeitsbedingungen

Englische Assistenzärzte streiken

LONDON. In England haben am Dienstag die Assistenzärzte gestreikt: 4000 Operationen sowie tausende Check-ups und andere Konsultationen fielen durch den Arbeitskampf aus.

Der Streik ist der erste Arbeitskampf britischer Mediziner seit vielen Jahren und er markiert den Beginn einer neuen und schwierigen Phase britischer Gesundheitspolitik. Weitere Arbeitsniederlegungen sind bereits angekündigt.

Die Streiks von etwa 50.000 Assistenzärzten des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) sorgten dafür, dass in vielen Kliniken nur noch Notfalloperationen und -behandlungen vorgenommen werden konnten.

Rund 4000 Routine-Eingriffe wie Hüftgelenksoperationen und einfache Augenoperationen wurden kurzfristig abgesagt. Onkologische Versorgungsangebote waren nicht betroffen.

Die Assistenzärzte streiken, weil sie bessere Arbeitsbedingungen - vornehmlich kürzere Arbeitszeiten und flexiblere Arbeitszeitverträge - fordern. Diese Forderungen werden vom Gesundheitsministerium abgelehnt. Es fehle das Geld, so das Ministerium.

Bevölkerung steht hinter den Ärzten

Die englische Öffentlichkeit steht hinter den streikenden Ärzten. Eine repräsentative Umfrage der BBC ergab, dass zwei Drittel der Engländer den Arbeitskampf unterstützen, solange gewährleistet ist, dass Notfälle nach wie vor behandelt werden.

Lediglich 16 Prozent der 869 Befragten sagten, sie lehnten den Streik der Assistenzärzte ab. Am heutigen Mittwoch dürfte sich die Versorgungslage in den Kliniken zwischen London und Liverpool wieder normalisieren.

Doch der nächste Ärztestreik steht vor der Tür: am 26. Januar wollen die Assistenzärzte abermals die Arbeit verweigern - dann für 48 Stunden.

Hausarztpraxen waren gestern nicht von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Allerdings ergab eine Blitzumfrage der "Ärzte Zeitung" bei Primärarztpraxen in London, dass viele Sprechstunden deutlich voller waren als üblich, da Patienten, die Behinderungen in den bestreikten Kliniken fürchteten, zum Hausarzt auswichen. (ast)

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