Ärzte Zeitung online, 03.02.2018

Italien

Wahlkämpfer streiten über Impfpflicht

ROM. Mitten im Wahlkampf in Italien nimmt der Streit zwischen den Parteien um eine Impfpflicht für Kinder wieder volle Fahrt auf. Die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Fünf-Sterne-Partei hatte entgegen einer von der Regierung verordneten Impfpflicht beschlossen, dass nicht-geimpfte Kinder weiter zur Schule oder in den Kindergarten gehen könnten. Damit solle der Schulbetrieb aufrecht erhalten werden.Bürgermeisterin Raggi rechtfertigte die Entscheidung am Freitag mit dem Chaos, dass das Impf-Gesetz angerichtet hätte und langen Wartezeiten für eine Impfung. Durch die langsame Bürokratie und ein "schlecht geschriebenes Gesetz" würden viele Kinder nicht rechtzeitig geimpft werden können. Deren Schulrecht müsse geschützt werden. Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin warf ihr vor, die Gesundheit der Kinder zu riskieren.

Die italienische Regierung hatte nach einer Masernepidemie vergangenes Jahr eine Impfpflicht eingeführt, wonach Kinder nur in Kitas gehen dürfen, wenn ein Impf-Zertifikat vorgelegt wird. In der Schule müssen Eltern Buße zahlen, wenn Kinder nicht geimpft sind. Die Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtspopulistische Lega-Partei versprechen, die umstrittene Pflicht rückgängig zu machen.

Die EU-Kommission hat sich bereits mahnend in den Streit eingeschaltet: EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis sagte: Politiker, die die Argumente von Impfgegnern anheizten, seien für den verfrühten Tod von Menschen verantwortlich. Er sei "sehr besorgt", dass dieses Thema für Wahlkampfzwecke missbraucht werde. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Honorar-Einigung erzielt!

18:30Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben sich nach siebenstündigen Verhandlungen auf das Honorar für 2019 geeinigt. mehr »

App sorgt für weniger Tage mit Migräne

Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Kopfschmerztage merklich reduzieren – und zwar um 25 Prozent. Das geht aus einer Studie der Schmerzklinik Kiel und der TK hervor. mehr »

Die Zukunft gehört der sensorischen Zuckermessung

Die Zeiten, in denen sich Diabetiker zur Blutzuckermessung in den Finger stechen müssen, sind wohl bald vorbei. Sensor-Messsysteme bringen neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. mehr »