Ärzte Zeitung online, 31.07.2019

Unrühmliches Jubiläum

Was Ebola im Kongo angerichtet hat – und was dagegen getan wird

Seit genau einem Jahr wütet die Ebola-Epidemie im Osten des Kongos. Bislang ist sie nicht in den Griff zu bekommen – trotz neu entwickelter Medikamente und Impfstoffe.

Was Ebola im Kongo angerichtet hat – und was dagegen getan wird

Ein Ebola-Helfer wird im September 2018 dekontaminiert.

© Al-Hadji Kudra Maliro / AP Photo / picture alliance (Archivbild)

Am 1. August 2018 hat das kongolesische Gesundheitsministerium den jüngsten Ebola-Ausbruch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet. Im Juli zuvor waren bereits einige Fälle eines hämorrhagischen Fiebers aufgetreten, ohne dass Ärzte sofort Ebola diagnostiziert hatten.

Jetzt ist ein Jahr vergangen – und bis heute ist die Epidemie nicht unter Kontrolle. Bislang sind rund 2600 Menschen erkrankt und fast 1800 Patienten an einer Ebola-Infektion gestorben.

Auch Fälle in Uganda

Auch die Gefahr einer Ausbreitung in die Nachbarländer ist da: In Uganda wurden bereits drei Fälle bekannt, auch wenn man dort vorsichtig optimistisch ist, weitere Erkrankungen zu verhindern. Der Grund: In Uganda hat man schon frühzeitig auf den Ebola-Ausbruch im Nachbarland reagiert.

So wurden in 165 grenznahen Krankenhäusern gut 4700 Mitarbeiter mit der experimentellen Vakzine rVSV-ZEBOV-GP geimpft. Generell gilt Uganda als Vorbild bei der Bekämpfung von Ebola und hat seine bislang vier Ebola-Ausbrüche verhältnismäßig schnell in den Griff bekommen.

Die Bevölkerung ist gut informiert und kooperiert – anders als im Kongo – mit den medizinischen Einrichtungen. Sollte sich die aktuelle Epidemie allerdings in das Krisenland Südsudan ausbreiten, wäre dies womöglich verheerend.

Noch hat dieser Ebola-Ausbruch zwar nicht das Ausmaß der Epidemie in Westafrika 2014/2015 erreicht, bei der mehr als 11.000 Menschen starben. Doch „es ist noch kein Ende in Sicht“, so Markus Diemon von der Welthungerhilfe in Goma.

Konflikte erschweren Bekämpfung der Epidemie

Ebola hätte kaum eine komplexere Region treffen können. Im Ost-Kongo herrschen seit Jahrzehnten Konflikte. Etliche Milizen kämpfen um die Kontrolle der Bodenschätze und terrorisieren die Bewohner sowie die Ebola-Helfer. Immer wieder müssen die Bürger vor der Gewalt fliehen.

Zudem gab es seit Januar der WHO zufolge mindestens 198 Angriffe auf Ebola-Helfer, sieben Helfer starben. Und die Epidemie ist bei weitem nicht das einzige Problem. „Die Ebola-Krise ist nur eine Krise unter mehreren“, erklärt Marcus Bachmann, der von April bis Juni den Einsatz von „Ärzte ohne Grenzen“ vor Ort leitete.

Die Menschen haben neben der Gewalt und Flucht auch mit einem Masern-Ausbruch und mit Malaria zu kämpfen. „Ebola ist die eine Krise zu viel, die das Ganze zum Kippen bringen könnte.“

Kongo hat neun Ebola-Ausbrüche bewältigt

Eigentlich herrschte zunächst vorsichtiger Optimismus, dass die Epidemie in den Griff zu bekommen ist. Der Kongo hat zuvor bereits neun Ebola-Ausbrüche bewältigt. Im Vergleich zu der Westafrika-Epidemie gibt es inzwischen auch Medikamente, mit denen nach WHO-Angaben etwa 70 Prozent der Infizierten geheilt werden können.

Ohne Medikamente sterben rund 70 Prozent der Erkrankten. Zudem gibt es den experimentellen Impfstoff rVSV-ZEBOV-GP. Die Vakzine der Firma Merck hat nach einer Studie der WHO und des Nationalen Forschungsinstituts des Kongo (INRB) eine Wirksamkeit von mehr als 97 Prozent.

Entscheidend ist, dass die Kranken und Angehörige möglichst früh gefunden und behandelt werden. Genau das ist aber die große Herausforderung. „Wir glauben, dass wir wahrscheinlich gut 75 Prozent der Fälle entdecken“, sagte der WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan. „Uns gehen damit aber vielleicht bis zu einem Viertel der Fälle durch die Lappen.“

Angst und Misstrauen

Das liegt zu einem Teil an Unwissenheit. In einer Region, in der Malaria und Durchfallerkrankungen weit verbreitet sind, sterben einige Menschen, ohne dass ihre Familien sich bewusst sind, dass sie mit Ebola infiziert waren. So gebe es „ein sehr hohes Ansteckungsrisiko“, sagt Bachmann. Dass ein Jahr nach Beginn der Epidemie etwa jeder vierte Ebola-Fall erst nach dem Tod diagnostiziert wird, ist Bachmann zufolge besorgniserregend.

Es liegt aber vor allem an der Angst und dem Misstrauen der Menschen. Nach Jahren der Gewalt und Instabilität hat die Bevölkerung wenig Vertrauen in die Behörden und in ausländische Helfer. Die Wege zur nächsten Ebola-Klinik sind oft weit und die Bedrohung durch Milizen groß.

Hinzu kommt, dass Gerüchte über Ebola die Runden machen, manche von ihnen absichtlich geschürt. Das Vertrauen der Bevölkerung ist aber extrem wichtig. „Damit steht und fällt der Erfolg, eine Ebola-Epidemie unter Kontrolle zu bringen“, sagt Bachmann.

Nach einem Jahr Ebola im Ost-Kongo ist klar: Um die Epidemie einzudämmen, muss mehr getan werden.

Gesundheitsnotstand ausgerufen

Nach der ersten Feststellung eines Ebola-Falls in der Millionenstadt Goma rief die WHO Mitte Juli eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ (PHEIC) aus. Sie hat zwar keine klar definierten Konsequenzen, weil jede Notlage eigene Herausforderungen mit sich bringt, doch die WHO sieht darin einen Weckruf, damit die Weltgemeinschaft mehr tut, mit Spezialisten und mit Geld.

Viele Helfer fordern nun ein Umdenken. Es sei unterschätzt worden, wie wichtig die aktive Beteiligung der Bevölkerung ist, sagt Bachmann. Er spricht sich etwa für mehr kleinere Transitzentren aus, damit es für Menschen leichter ist, sich auf Ebola testen zu lassen.

Markus Diemon von der Welthungerhilfe fordert mehr Aufklärungsarbeit. Er und sein Team gehen etwa in Schulen, um dort Kinder und Jugendliche über Ebola zu informieren.

Wemba Kambale Kikopo, ein 37-jähriger Ebola-Überlebender, der sich heute an der Aufklärungsarbeit beteiligt, sagt: „Die Menschen müssen wissen, dass die Krankheit existiert und töten kann.“ (dpa, Mitarbeit: smi)

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